Anästh Intensivmed 2017;58:138-152 Deutsch English
Übersichten - Zertifizierte Fortbildung
Grundlagen der Kinder­anästhesie

Autor

Martin Jörg, Klinik für Anästhesie, Rettungsmedizin und Schmerztherapie Luzerner Kantonsspital 6000 Luzern 16, Schweiz

Schlüsselwörter

Kinderanästhesie, Atemweg, Kreislauf, Komplikationen, Homöostase

Zusammenfassung

Das Risiko ist bei Kindernarkosen deutlich höher als bei der Anästhesie von Erwachsenen. Um im klinischen Alltag die richtigen Entscheidungen treffen zu können, muss das entsprechende Wissen über Atemweg, Kreislauf und Infusionstherapie vorhanden sein. Kleine Kinder haben einen relativ aktiven Metabolismus mit hohem Sauerstoffverbrauch. Die Apnoetoleranz ist gering und schwere Sättigungsabfälle lassen sich in der Einleitungsphase nur vermeiden, wenn ein Kind beatmet wird. Die modifizierte Blitzeinleitung (rapid sequence induction; RSI) ist fest etabliert. Zur Atemwegssicherung werden heute jenseits des Neugeborenenalters Tuben mit Cuff bevorzugt; unter den Larynxmasken sind Modelle mit L-Form von Vorteil. Es ist besonders auf Blutdruck und Perfusion zu achten, weil Hypotonien schwerwiegende Folgen haben können. Auch Kinder benötigen ggf. vasoaktive Substanzen. Die Normwerte für den Blutdruck sind altersabhängig. Vor allem bei Säuglingen und chronisch kranken Kindern ist die Zahl einfach zu punktierender Venen (das „Kapital an Venen“) oft gering; eine Anästhesie ohne Venenzugang darf jedoch nur als Ultima Ratio gewagt werden. Die Hyponatriämie ist eine latente Gefahr, so dass nur Lösungen mit physiologischem Natrium-Gehalt infundiert werden sollen. Insgesamt kann im Alltag noch viel verbessert werden. Die „gute Narkose“ mit Perfektion im Detail und Erhaltung der Homöostase steht im Zentrum; Unterschiede zwischen Medikamenten oder Verfahren oder gar die Frage der Neurotoxizität verlieren demgegenüber an Bedeutung.
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