Anästh Intensivmed 2008;49:144-152 Deutsch English
Sonderbeiträge - Recht
Umgestaltung eines Notarztdienstes: Von der Personalgestellung zur Freiberuflichkeit

Autoren

Andreas Bohn, Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, Universitätsklinikum Münster (Direktor: Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. H. Van Aken); Berufsfeuerwehr Münster, Ärztliche Leitung Rettungsdienst
H. Van Aken, Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, Universitätsklinikum Münster (Direktor: Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. H. Van Aken)
N. Roeder, Universitätsklinikum Münster, Ärztlicher Direktor
Th. Weber, Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, Universitätsklinikum Münster (Direktor: Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. H. Van Aken); Berufsfeuerwehr Münster, Ärztliche Leitung Rettungsdienst

Schlüsselwörter

Qualitätsmanagement, Notarzt, Freiberuflichkeit, Arbeitszeit, Dienstplanung, Arbeitsrecht

Zusammenfassung

Hintergrund: Qualifizierte Ärzte, die ein Interesse an einer notärztlichen Tätig­keit haben, sind nicht nur im ländlichen Bereich eine knappe Ressource. Das „Verleihen“ von Ärzten an den Rettungsdienst wird zudem mit der Ein­führung des Arbeitszeitgesetzes zunehmend schwieriger für die Krankenhäuser. Der Rettungsdienst muss neue Möglichkeiten finden, die benötigten Not­ärzte vorzuhalten. Die Umstellung des Notarzt­dien­stes auf ein freiberufliches System ist eine Alter­native, wirft jedoch vielfältige organisatorische und rechtliche Fragen auf. In enger Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern, Notärzten und dem Träger des Rettungsdienstes konnte in unserem Fall ein für alle Beteiligten vorteilhaftes System gestaltet werden. Methodik: Unter Beachtung der rechtlichen Vor­gaben wurde auf Basis der Freiberuflichkeit ein Notarzt-Pool zur Besetzung der Notarztdienste gebildet. Hierin wurden im Gegensatz zur Vergangenheit nicht mehr exklusiv die Ärzte einer Klinik aufgenommen, sondern interessierte Ärzte aller Notfall­aufnahme-Krankenhäuser der Stadt. Zur Vermeidung von Konflikten zwischen Fachdisziplinen und Krankenhäusern wurden mittels Moderation objektive und transparente Kriterien zur Aufnahme in den Notarzt-Pool erarbeitet. Die Rahmenbedingungen für die Notärzte wurden neu gestaltet und angepasste Instrumente zur Dienstplanung entwickelt. Ergebnisse: Freiberufliche Tätigkeiten als Notarzt werden unter bestimmten Bedingungen nicht als Arbeitszeit im Sinne des Arbeitszeitgesetztes gewertet. Hierzu sind bei der Vertragsgestaltung und der Dienstplanung enge Vorgaben einzuhalten. Fragen des Versicherungsschutzes oder der Haftung müssen ebenso beachtet werden wie die Grenzen des Umfanges von Nebentätigkeiten. Schlussfolgerungen: Mit den verwendeten Metho­den konnten Konflikte bei der Neugestaltung wirksam verhindert werden. Unter Beachtung der unterschiedlichen Interessen der Krankenhäuser, der Notärzte und des Rettungsdienstträgers gelang innerhalb von sechs Monaten die Neugestaltung des Notarztwesens.
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