Anästh Intensivmed 2010;51:202-210 Deutsch English
Originalia - Notfallmedizin
Inzidenz der endotrachealen Intubation im Notarztdienst: adäquate Erfahrung ohne klinische Routine kaum möglich*

Autoren

Harald Genzwürker, Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Neckar-Odenwald-Kliniken gGmbH Buchen und Mosbach (Chefarzt: Priv.-Doz. Dr. H. Genzwürker) Medizinische Fakultät, Universitätsmedizin Mannheim (Dekan: Prof. Dr. Dr. h.c. K. van Ackern)
T. Finteis, Abteilung Anästhesie und Intensivmedizin, Kreisklinik Groß-Umstadt (Chefarzt: Dr. T. Voigt)
S. Wegener, Pneumologische Abteilung, Theresienkrankenhaus Mannheim (Chefärztin: Prof. Dr. M. Orth)
F. Hess-Jähnig, Lungenzentrum Ludwigshafen
W. Segiet, Abteilung für Anästhesie und Operative Intensivmedizin, Theresienkrankenhaus Mannheim (Chefarzt: Priv.-Doz. Dr. W. Segiet) Medizinische Fakultät, Universitätsmedizin Mannheim (Dekan: Prof. Dr. Dr. h.c. K. van Ackern)
B. Kuhnert-Frey, Abteilung für Anästhesie und Intensivtherapie, Krankenhaus Sinsheim (Chefärztin a.D.: Dr. B. Kuhnert-Frey)
K. Ellinger, Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin und Schmerztherapie, Krankenhaus St. Elisabeth Ravensburg (Chefarzt: Prof. Dr. K. Ellinger) Medizinische Fakultät, Universitätsmedizin Mannheim (Dekan: Prof. Dr. Dr. h.c. K. van Ackern)
J. Hinkelbein, Medizinische Fakultät, Universitätsmedizin Mannheim (Dekan: Prof. Dr. Dr. h.c. K. van Ackern)

Schlüsselwörter

Notarzt – Notarztausbildung – Intubation – Atemwegsmanagement.

Zusammenfassung

Hintergrund: Die Intubation zählt zu den Grundfertigkeiten, die jeder Notarzt beherrschen soll. Fachgebiet und Tätigkeitsbereich können Unterschiede des individuellen Trainingszustandes bedingen. Methodik: Drei bodengebundene Notarztstandorte wurden hinsichtlich der Intubationshäufigkeit (Intubationen pro Jahr) und Intubationsinzidenz (Intubationen pro Einsatz) der eingesetzten Notärzte verglichen. Bei den Standorten handelte es sich um einen urbanen rein anästhesiologisch besetzten, einen urbanen interdisziplinär besetzten und einen ländlichen interdisziplinär mit zusätzlichen externen Kollegen besetzten Notarztdienst. Für die beiden urbanen Standorte wurden alle Einsätze eines Einjahreszeitraums retrospektiv ausgewertet, für den ländlichen Standort über zwei Jahre. Erfasst wurden die Anzahl der beteiligten Notärzte mit Ausbildungsstand (Assistenzarzt/ Fach­­arzt) und Fachgebiet sowie die Anzahl der Einsätze und Intubationen je Notarzt. Ergebnisse: Am anästhesiologisch besetzten urbanen Standort (S1) wurden im Auswertungszeitraum 3.241 Einsätze von 31 Notärzten durchgeführt (8,9 Einsätze/Tag), am interdisziplinär besetzten urbanen Standort (S2) 2.255 Einsätze von 27 Notärzten (6,2/Tag) und am ländlichen Standort (S3) 2.804 Einsätze von 47 Notärzten (3,8/Tag). Die mittleren Intubationshäufigkeiten der Notärzte [S1: 6,7 (0-28)/S2: 4,7 (0-18)/S3: 1,7 (0-11)] variierten stark, während die Intubationsinzidenzen (S1: 0,064/S2: 0,057/S3: 0,057) und der Anteil der Einsätze mit Intubation (S1: 6,4 %/S2 und S3: 5,7 %) vergleichbar waren. Eine präklinische Intubation ist für den einzelnen Notarzt im Mittel an S1 alle 55 Tage, an S2 alle 77 Tage und an S3 alle 213 Tage zu erwarten. Schlussfolgerungen: An den untersuchten bodengebundenen Notarztstandorten mit relativ hoher Zahl beteiligter Notärzte ist die individuelle Intubationshäufigkeit so gering, dass ohne zusätzliche klinische Tätigkeit eine angemessene Routine bei dieser wichtigen notfallmedizinischen Maßnahme nicht möglich ist.
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