Anästh Intensivmed 2015;56:5-12 Deutsch English
Originalia - Klinische Anästhesie
Ist Reden wichtig? Technisches versus kombiniert technisches/nicht-technisches Atemwegstraining in der Anästhesie und Intensivmedizin

Autoren

Bastian Grande, Institut für Anästhesiologie, UniversitätsSpital Zürich, Rämistraße 100, 8091 Zürich, Schweiz
Mona Weiss, Forschungsgruppe Organisation, Arbeit, Technologie, ETH Zürich, Weinbergstraße 56/58, 8092 Zürich, Schweiz
P. Biro, Institut für Anästhesiologie, UniversitätsSpital Zürich (Direktor: Prof. Dr. D. R. Spahn)
G. Grote, Forschungsgruppe Organisation, Arbeit, Technologie, ETH Zürich (Leiterin: Prof. Dr. G. Grote)
P. Steiger, Chirurgische Intensivmedizin, UniversitätsSpital Zürich (Leiter: Dr. P. Steiger)
D.R. Spahn, Institut für Anästhesiologie, UniversitätsSpital Zürich (Direktor: Prof. Dr. D. R. Spahn)
M. Kolbe, Forschungsgruppe Organisation, Arbeit, Technologie, ETH Zürich (Leiterin: Prof. Dr. G. Grote)

Schlüsselwörter

Atemwegstraining, Simulation, Psychologische Sicherheit, Inkludierendes Führungs­verhalten, Teamwork

Zusammenfassung

Hintergrund: Am Beispiel des ‚schwierigen Atemweges‘ in Anästhesie und Intensivmedizin wurde die Effektivität eines kombinierten technischen/nicht- technischen (d.h., kognitive und soziale Fähigkeiten, die relevant für die Bewältigung eines kritischen Ereignisses sind) Simulationstrainings mit einem rein technischen Simulationstraining verglichen. Maßgeblich für den Vergleich waren drei sicherheitsrelevante Einstellungsmaße: ‚Einstellungen zu Teamarbeit‘, ‚Psychologische Sicherheit‘ und ‚Inkludierendes Führungsverhalten‘. Methode: Sämtliche Trainings wurden am Patientensimulator (SimMan3G®, Laerdal Medical, Norwegen) eines universitären Krankenhauses durchgeführt. Mit einem Prä-post-Interventionsdesign wurde untersucht, welches Training (technisch vs. kombiniert technisch/nicht-technisch) einen stärkeren Einstellungsunterschied hervorruft. Ergebnisse: Beim technischen Training ergaben die drei Vergleiche der Prä- und Posttrainingsmessungen von ‚Psychologischer Sicherheit‘, ‚Inkludierendem Führungsverhalten‘ sowie ‚Einstellungen zu Teamarbeit’ jeweils keinen signifikanten Unterschied. Im kombinierten Training konnte für ‚Psychologische Sicherheit‘ und ‚Einstellungen zu Teamarbeit‘ ein signifikant positiver Anstieg gezeigt werden. Der Vergleich der Prä- und Postmittelwerte von ‚inkludierendem Führungsverhalten‘ zeigte keine signifikante Veränderung. Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse der Studie weisen darauf hin, dass techni­sches Training nicht ausreicht, um wich­tige Komponenten bei der Bewältigung des schwierigen Atemweges zu verbessern. Ein Üben rein technischer Fähigkeiten führt nicht – wie im klinischen Alltag häufig implizit angenommen – automatisch dazu, dass die Teilnehmen­den in der jeweils echten Situation sicherer im Team agieren.
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