Anästh Intensivmed 2016;57:716-728 Deutsch English
Originalia - Klinische Anästhesie
Anästhesiologische Versorgung an deutschen Zentren für Kinderherzchirurgie: Aktueller Stand der personellen und strukturellen Organisation

Autoren

Torsten Bähner, Klinik und Poliklinik für Anästhesio­logie und Operative Intensivmedizin Universitätsklinikum Bonn Sigmund-Freud-Straße 25 53105 Bonn, Deutschland
I. Heinze, Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin Universitätsklinikum Bonn
O. Dewald, Klinik für Herzchirurgie Universitätsklinikum Bonn
M. Mueller, Hessisches Kinderherzzentrum Giessen, Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin Universitätsklinikum Giessen und Marburg, Standort Giessen
E. Schindler, Deutsches Kinderherzzentrum Sankt Augustin (DKHZ) Asklepios Klinik Sankt Augustin
U. Schirmer, Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen, Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, Bad Oeynhausen
A. Hoeft, Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin Universitätsklinikum Bonn
G. Baumgarten, Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin Universitätsklinikum Bonn
R.K. Ellerkmann, Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin Universitätsklinikum Bonn

Schlüsselwörter

Kinderkardioanästhesie, Kinderherzchirurgie, Ange­borene Herzfehler

Zusammenfassung

Hintergrund: Die anästhesiologische Ver­sorgung bei kinderkardiochirur­gischen Eingriffen ist komplex und erfordert ein hohes Maß an Spezialwissen. Einheitliche Empfehlungen und Standards zur anästhesiologischen Ver­sorgung dieser Patienten existieren in Deutschland nicht. Aus diesem Grund hat die Arbeitsgruppe Kinderherzanästhesie des Wissenschaftlichen Arbeitskreises Kardioanästhesie der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) eine Erhebung zum aktuellen Stand der strukturellen und personellen anästhesiologischen Versorgung an deutschen kinderherz­chirurgischen Zentren durchgeführt. Methode: Die Datenerhebung wurde als Online-Befragung durchgeführt. Der Fragebogen enthielt 55 Fragen auf 30 Seiten in 16 inhaltlichen Kategorien. Ergebnisse: An 27 Zentren in Deutschland wurde ein aktives Programm für eine kinderherzchirurgische Versorgung identifiziert. Die Beteiligung der kinderherzchirurgischen Zentren an der Umfrage lag bei 96,3%. 92,3% der Zentren halten für die anästhesiologische Versorgung von Kindern mit angeborenem Herzfehler (AHF) im kardiochirurgischen OP eine spezialisierte Gruppe von Anästhesisten vor, die im Mittel aus 4,8 Mitarbeitern pro Zentrum besteht. Die jährlich pro Mitarbeiter versorgte Anzahl an Patienten schwankt jedoch stark. Derzeit ist nur in 26,9% der Zentren eine Doppelbesetzung regelhaft gegeben. Ein supervidierender Oberarzt ist in 53,8% der Zentren vorhanden. Sedierungen und Allgemeinanästhesien für diagnostische und therapeutische Interventionen werden außerhalb des OP an 76,9% der Zentren auch durch Nicht-Anästhesisten durchgeführt. Bei herzchirurgischen Operationen ist Spezialequipment wie Ultraschall für vaskuläre Zugänge, Kinder-TEE, Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) sowie ein Gerät zur maschinellen Autotransfusion zwar überwiegend vorhanden, wird jedoch häufig nicht routinemäßig eingesetzt. Schlussfolgerung: Die vorliegende Arbeit stellt die aktuellen, strukturellen und personellen Standards an deutschen kinderherzchirurgischen Zentren aus anästhesiologischer Sicht dar.
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