Anästh Intensivmed 2017;58:211-219 Deutsch English
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"O2 can do" - harm you! Kommentar zur aktuellen WHO-Empfehlung zur Wundinfektionsprävention

Autoren

K. Zacharowski, Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, Universitätsklinikum Frankfurt, Frankfurt/Main
T. Volk,
Raphael Weiss, Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie Universitätsklinikum Münster
T. Prien, Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie, Universitätsklinikum Münster
L. Fischer, Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie, Klinikum Memmingen
H. Van Aken, Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie, Universitätsklinikum Münster
A. Zarbock, Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie, Universitätsklinikum Münster

Schlüsselwörter

Perioperative Sauerstoff­therapie, Sauerstofftoxizität, Wundinfektion

Zusammenfassung

Ende 2016 hat die Weltgesundheits­organisation (WHO) Empfehlungen zur Reduktion von Wundinfektionen veröffentlicht. An prominenter erster Stelle wird die intraoperative Verwendung einer inspi­ratorischen Sauerstoffkonzen­tration von 80% und postoperative Aufrechterhaltung dieser FiO2 von 0,8 für 2-6 Stunden empfohlen. In diesem Artikel werden der postulierte Nutzen für die Wundheilung und mögliche negative Effekte einer perioperativen FiO2 von 0,8 diskutiert. Erhöhte arterielle Sauerstoffspannungen induzieren eine arterielle Vasokonstriktion, intrazelluläre Azidose mit Hyperventilation beim Lun­gengesunden, Hypoventilation mit systemischer Azidose bei COPD sowie eine generalisierte Zellschädigung durch vermehrt gebildete Sauerstoffradikale; insbesondere der Reperfusionsschaden nach Ischämie wird dadurch verstärkt. Die Empfehlung, perioperativ generell eine FiO2 von 0,8 zu verwenden, kann nicht unterstützt werden: zum einen ist deren tatsächlicher Nutzen für die Wundheilung nicht ausreichend belegt, zum anderen sind potentiell schädliche Effekte hoher Sauerstoffkonzentrationen zu berücksichtigen. In bestimmten Si­­tua­­tionen muss vor unphysiologisch hohen arteriellen Sauerstoffspannungen aus­drücklich gewarnt werden, z. B. bei Reperfusion eines transplantierten Organs, nach Kreislaufstillstand, bei spontanatmenden COPD-Patienten.
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