Anästh Intensivmed 2017;58:429-440 Deutsch English
Sonderbeiträge - Weiterbildung
– Ergebnisse einer bundesweiten Befragung –
Evaluation der Arbeits- und Weiterbildungs­bedingungen im Fach­gebiet Anästhesiologie in Deutschland

Autoren

Diane Bitzinger, Klinik für Anästhesiologie, Universitätsklinikum Regensburg, Franz-Josef-Strauss-Allee 11, 93053 Regensburg, Deutschland
M. Raspe, Medizinische Klinik m. S. Infektiologie und Pneumologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin (Direktor: Prof. Dr. N. Suttorp)
K. Schulte, Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein – Campus Kiel (Direktor: Prof. Dr. U. Kunzendorf)
J. Larmann, Klinik für Anästhesiologie, Universitätsklinikum Heidelberg (Direktor: Prof. Dr. M. Weigand)

Schlüsselwörter

Weiterbildung, Arbeitsbedingungen, Arbeitsverdichtung, Ökonomisierung, Gratifikationskrise, Evaluation

Zusammenfassung

Hintergrund: Der demographische Wandel, die fortschreitende Ökonomi­sierung in den deutschen Kliniken und zahlreiche weitere Veränderungen haben die ärztlichen Arbeits- und Weiterbildungsbedingungen in den letzten Jahren nachhaltig beeinflusst und bei Ärzten in Weiterbildung (ÄiWB) zu Unzufriedenheit sowie Systemkritik geführt. Bislang existieren jedoch kaum Daten, die diese Kritik quantitativ erfassen und im nationalen bzw. fachspezifischen Kontext der Anästhesiologie beschreiben. Methodik: Der Wissenschaftliche Ar­beitskreis Wissenschaftlicher Nachwuchs (WAKWiN) und die Junge Anästhesie der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) sowie der youngBDA des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten e.V. (BDA) haben eine onlinebasierte Befragung aller dort organisierten ÄiWB vorge­nommen. Der Fragebogen deckt fünf wesentliche Konfliktfelder anästhesiologischer Arbeits- und Weiterbildungsbedingungen ab. Zusätzlich wurde das „Modell beruflicher Gratifikationskrisen“ zur Beurteilung psychosozialer Arbeitsbelastung eingesetzt. Ergebnisse: An der Befragung haben 895 ÄiWB teilgenommen. Im stark verdichteten Arbeitsalltag kommen den Umfrageteilnehmern Fort- und Weiterbildung sowie familien- und forschungsfreundliche Arbeitsbedingungen zu kurz. Der Einfluss ökonomischer Erwägungen ist deutlich spürbar. 79% der befragten ÄiWB geben an, dass ihre ärztliche Weiterbildung unter der fortschreitenden Ökonomisierung (z.B. durch kurze Überleitungszeiten) leidet. Die psychosoziale Arbeitsbelastung der befragten Ärzte wird als sehr hoch empfunden. Ein Teil der Ärzte zieht hieraus persönliche Konsequenzen (z.B. Arbeitsplatzwechsel, Abwanderung in andere Berufsfelder). Schlussfolgerung: Anpassungen der Arbeits- und Weiterbildungsbedingungen im Fachgebiet der Anästhesiologie erscheinen auf Grundlage der erhobenen Daten erforderlich, um die Gesundheit der betroffenen ÄiWB, die Qualität der Patientenversorgung und die Attraktivität des Fachgebietes für die Zukunft sicherzustellen.
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