Anästh Intensivmed 2017;58:268-273 Deutsch English
Sonderbeiträge - Anästhesiegeschichte
Zur Geschichte des 1927 eingeführten Narkotikums Avertin

Autoren

Andreas Jüttemann, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Institut für Geschichte der Medizin, Berlin
F. Butzengeiger, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Institut für Geschichte der Medizin, Berlin

Schlüsselwörter

Avertin, Darmkatheter, Butzengeiger, Rektalnarkose

Zusammenfassung

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Suche nach geeigneten narkotisierenden Substanzen wichtigste Aufgabe der Me­- dizin. Als mögliches Narkotikum wurde Avertin 1923 von den Chemikern Richard Willstätter (1872-1942) und Walther Duisberg (1892-1964) synthe­tisiert. Der Pädiater Albert Eckstein (1891-1950) und der Pharmakologe Fritz Eichholtz (1889-1967) führten daraufhin erste Versuche durch. Der erste Einsatz beim Menschen erfolgte durch den Chirurgen Otto Butzengeiger (1885-1968) in den Jahren 1926-1927 im Rahmen einer klinischen Studie an Erwachsenen. Für eine rektale Applikation bzw. Instillation des Avertins entwickelte er einen speziellen Darmkatheter. Über seine Erfahrungen berichtete er auf dem 51. Chirurgenkongress 1927. Er sprach sich zwar für eine weitere Er­probung des Avertins aus, empfahl aber zusammen mit dem Pharmakologen Walther Straub (1874-1944) nur die ba­- sisnarkotische Anwendung. Eine allge­meine weltweite Akzeptanz des Mittels kam aufgrund der schwierigen Steuerbarkeit und der Nebenwirkungen nur in wenigen Bereichen zustande. An die Erprobung des Mittels durch Butzengeiger und die sich daran anschließende Diskussion soll im Jubi­läumsjahr der klinischen Einführung 1927 erinnert werden.
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