Anästh Intensivmed 2017;58:534-541 Deutsch English
Originalia - Klinische Anästhesie
Systemische antiinfektive Therapie eines Skabiesausbruchs mit Ivermectin in einem Flüchtlingslager

Autoren

Alexandra Jablonka, Klinik für Immunologie und Rheumatologie Medizinische Hochschule Hannover Carl-Neuberg-Straße 1 30625 Hannover, Deutschland
P. Solbach, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie, Medizinische Hochschule Hannover (Direktor: Prof. Dr. M. P. Manns) / Institut für klinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, Medizinische Hochschule Hannover (Direktor: Prof. Dr. S. Suerbaum) / Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), Standort Hannover-Braunschweig (Direktor: Prof. Dr. T. Schulz)
L. Sedlacek, Institut für klinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, Medizinische Hochschule Hannover (Direktor: Prof. Dr. S. Suerbaum)
R. E. Schmidt, Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), Standort Hannover-Braunschweig (Direktor: Prof. Dr. T. Schulz) / Klinik für Immunologie und Rheuma­tologie, Medizinische Hochschule Hannover (Direktor: Prof. Dr. R. E. Schmidt)
G. M.N. Behrens, Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), Standort Hannover-Braunschweig (Direktor: Prof. Dr. T. Schulz) / Klinik für Immunologie und Rheuma­tologie, Medizinische Hochschule Hannover (Direktor: Prof. Dr. R. E. Schmidt)

Schlüsselwörter

Flüchtlinge, Asylbewerber, Skabies/Krätze, Antiinfektive Therapie, Ivermectin

Zusammenfassung

Hintergrund: Eine der häufigsten parasitären Infestationen in Massenunterkünften stellt die Krätze dar. Es liegen bis­her keine Daten über eine antiinfektive Therapie eines Skabiesausbruchs in Deutschland vor. Ziele: Darstellung der logistischen und medizinischen Durchführbarkeit einer anti­infektiven Therapie bei einem Ska­biesausbruch in einem Flüchtlingslager in Norddeutschland im Jahr 2015. Material und Methoden: Retrospektive Datenauswertung und deskriptive Fall­beschreibung von Flüchtlingen, die sich im Jahr 2015 in einer zentralen Erst­aufnahmeeinrichtung einer Massenbe­handlung mit einem zu der Zeit in Deutschland nicht zugelassenen Medikament zur Behandlung einer Skabies­infestation unterzogen haben. Ergebnisse: Es wurden insgesamt 459 Patienten mit oralem Ivermectin behandelt, 27,5% waren Frauen. Das mediane Alter der Männer lag bei 24 Jahren (IQR 19-32), Frauen waren im Schnitt 3 Jahre jünger mit einem medianen Alter von 21 Jahren (IQR 10-33). 25,7% der Flüchtlinge waren minderjährig. Symptomatische Patienten gaben seit mindestens 2,5 Wochen Juckreiz an. Gewichtsadaptiert erhielten die Patienten im Median 12 mg Ivermectin (4 Tabletten). Aufgrund einer Lebererkrankung wurde ein Patient von der Behandlung ausgeschlossen. Akute schwerwiegende Nebenwirkungen tra­ten nicht auf. Diskussion: Trotz medizinischer und logistischer Herausforderungen war eine antiinfektive Therapie zur Behandlung der Skabies mit einem zu der Zeit in Deutschland nicht zugelassenen Medi­kament durchführbar. Durch die Zulassung des oralen Ivermectins wird eine Durchführung deutlich vereinfacht. Schwere akute Nebenwirkungen traten nicht auf.
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