Anästh Intensivmed 2018;59:58-67 Deutsch English
Originalia - Notfallmedizin
Smartphone-basierte Ersthelfer-Alarmierung verkürzt das reanima­tionsfreie Intervall – Eine Machbarkeitsstudie zur Verbesserung der präklinischen Reanimation

Autoren

R. Stroop, Mobile Retter e.V., Rheda-Wiedenbrück; Abteilung Stereotaktische Neurochirurgie, St. Barbara-Klinik, Hamm-Heessen
Mario Hensel, Abteilung Anästhesio­logie und Intensivmedizin Park-Klinik Weißensee, Schönstraße 80, 13086 Berlin, Deutschland
A.T. Schnettker, Abteilung Unfallchirurgie und Orthopädie, Sporttraumatologie, Traumazentrum St. Barbara-Klinik, Hamm-Heessen
B. Strickmann, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst, Kreis Gütersloh

Schlüsselwörter

Prähospitale Notfallversorgung, Herz-Kreislauf-Stillstand, Reanimation, Erste Hilfe, Smartphone

Zusammenfassung

Hintergrund und Fragestellung Smartphone-basierte Alarmierungssysteme für freiwillige Ersthelfer sollen dazu beitragen, die Versorgung von Patienten nach prähospital erlittenem Herz-Kreislauf-Stillstand zu verbessern. Erstmalig in Deutschland wurde im Kreis Gütersloh (NRW) ein solches Projekt mit dem Namen Mobile Retter im Hinblick auf Machbarkeit und Outcome-relevante Aspekte evaluiert. Methodik Die Alarmierung der Mobilen Retter erfolgte komplementär zum regulären Rettungsdienst. Ermöglicht wurde dies durch eine App, die über einen zentralen Webserver einen Datenaustausch zwischen dem Smartphone des Ersthelfers und der Rettungsleitstelle gewährleistete. Primärer Endpunkt war der Zeitraum vom Beginn der Notrufabfrage bis zum Eintreffen adäquater Hilfe am Einsatzort (Hilfsfrist). Sekundäre Endpunkte waren die Rückkehr eines Spontankreislaufs nach Herz-Kreislauf-Stillstand und die Häufigkeit der Alarmierung von Mobilen Rettern. Ergebnisse Im Beobachtungszeitraum (30 Monate) konnten 550 Ersthelfer (1,6‰ der Gesamtbevölkerung) gewonnen und ausgebildet werden. Die Mehrheit kam aus rettungsdienstlichen Berufen (60%). Es konnten deutlich mehr Männer (81%) als Frauen rekrutiert werden. Insgesamt wurden 477 Reanimationen registriert. Für 38% dieser Einsätze erfolgte eine Einsatzübernahme durch Mobile Retter. Diese waren in 59% der Fälle vor dem Rettungsdienst am Einsatzort. Die durchschnittliche Hilfsfrist konnte durch den Einsatz Mobiler Retter deutlich reduziert werden (4,4 min vs. 8,7 min, p<0,01). Infolge der Wiederbelebungsmaßnahmen zeigten 63% der durch Mobile Retter reanimierten Patienten einen Spontankreislauf, im Vergleich zu 54% der primär durch den Rettungsdienst versorgten Patienten (p=0,12). Schlussfolgerungen Das Smartphone-basierte Alarmierungssystem Mobile Retter führt zu einem Zeitvorteil gegenüber den etablierten Rettungsdienstkonzepten und somit zur Reduktion der „No-flow“-Zeit bei Patienten im außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstand.
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