Anästh Intensivmed 2018;59:I (1-6) Deutsch English
Verschiedenes (nur online)
Leserbrief zum:
Kommentar zur aktuellen WHO-Empfehlung zur Wundinfektionsprävention
(Anästh Intensivmed 2017;58:211-219)

Autoren

B. von Bormann,
S. von Bormann,
Rolf Zander, Physioklin, Am Fort Gonsenheim 51a, 55122 Mainz, Deutschland

Schlüsselwörter

Hyperoxie, Intraoperative Beatmung, WHO-Empfehlung, Niedriggasflow-Anästhesie, 100% O2, Postoperative Wundinfektionen, Atelektase, Outcome

Zusammenfassung

Wir kommentieren eine einseitige in A&I publizierte Stellungnahme von Weiss et al. zur Empfehlung der WHO, perioperativ eine FIO2 von 0,8 anzuwenden, und nehmen zum Thema intraoperative Hyperoxie generell Stellung. Die von der WHO in den Mittelpunkt gestellte Verbesserung der Wundheilung durch hohe Sauerstoffkonzentrationen ist dabei nur ein Aspekt, zumal dieser Effekt vornehmlich bei bestimmten Patientengruppen, etwa nach kolorektaler Chirurgie oder ausgedehnten Gefäßeingriffen beobachtet wurde. Nach unserer Ansicht wäre es konse­quent, die intraoperative, damit zeitlich begrenzte Anwendung reinen Sauerstoffs zu empfehlen, was die Vollnarkose maximal vereinfacht und die Patienten­sicherheit entscheidend verbessert, da die Möglichkeit einer – im Einzelfall – katastrophalen Verwechslung mit anderen Gasen, etwa Lachgas, ausgeschlossen ist. Weitere Vorteile sind ein optimal genutzter physiologischer Sauerstoffspeicher sowie die gefahrlose Anwendung eines lungenschonenden niedrigen Frischgasflows (150 - 300 ml/min). Spekulationen über eine pulmonale Schädigung durch intraoperative Beatmung mit hohen Sauerstoffkonzentrationen, überwiegend abgeleitet aus Tierversuchen, stehen etliche prospektive, randomisierte klinische Studien und Anwendungsbeobachtungen entgegen, denen ein überwiegend günstiger, keinesfalls organschädingender Effekt entnommen werden kann. Die Anwendung reinen Sauerstoffs ist aus unserer Sicht eng an die strikte Ein­haltung qualitativer Standards gebunden, wie Temperaturmanagement, richtlinienkonforme Antibiotikaprophylaxe, optimierte Schmerztherapie inkl. großzügiger Anwendung kontinuierlicher Katheterverfahren, zurückhaltende Relaxierung unter spezifischem (TOF-)Monitoring, Niedriggasflow und Einsatz gut steuerbarer Anästhetika, wie Propofol, Remifentanil und Desfluran. Über umfangreiche eigene Erfahrungen mit 66.226 konsekutiven, nicht-selektionierten, mit reinem Sauerstoff beatmeten operativen Patienten wird berichtet.
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