Anästh Intensivmed 2018;59:132-144 Deutsch English
Übersichten - Zertifizierte Fortbildung
Der individualisierte Transfusionstrigger

Autoren

Martin Welte, Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, Klinikum Darmstadt GmbH, Grafenstraße 9, 64283 Darmstadt, Deutschland
Kai Zacharowski, Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie Universitätsklinikum Frankfurt

Schlüsselwörter

Patient Blood Management, Erythrozytenvolumen, minimal-tolerable Hämoglobin-Konzentration, maximal-tolerabler Erythrozytenverlust, Massivtransfusion

Zusammenfassung

Da Anämie und Erythrozytentransfusionen mit ungünstiger Prognose assoziiert sind, zielt das Konzept des „Patient Blood Management“ im Kern auf die Therapie einer präoperativen Anämie sowie die strenge und individuelle Transfusionsindikation auf Basis anamnestischer, klinischer und laborchemischer Befunde. Dazu werden das Erythrozytenvolumen, die minimal-tolerable Hämoglobin (Hb)-Konzentration und der maximal-tolerable Erythrozytenverlust bestimmt und der potenzielle Transfusionsbedarf ab-geleitet. Die minimal-tolerable Hb-Konzentration wird von Begleiterkrankungen und dem individuellen aktuellen klinischen Zustand des Patienten beeinflusst. Sie ist kein alleiniges Transfusionskriterium; in die Entscheidung zur Transfusion müssen physiologische Transfusionstrigger sowie das Behandlungsumfeld einbezogen werden. Restriktive (meist Hb <7-8 g/dl) und liberale (meist Hb <9-10 g/dl) Transfusionstrigger wurden in zahlreichen Studien verglichen; die Ergebnisse müssen wegen der uneinheitlichen Definition der Begriffe „restriktiv“ und „liberal“ jedoch genau analysiert werden, bevor diese Trigger in die Klinik übernommen werden. Bei massiver akuter Blutung müssen Hypovolämie, Koagulopathie und Anämie zeitgleich therapiert werden; spezifische Protokolle zur Massivtransfusion sehen als minimale Hb-Konzentration meist 7,0-9,0 g/dl vor.
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