Anästh Intensivmed 2018;59:267-270 Deutsch English
Mitteilungen - Kasuistiken
Tod durch Limonade?

Autoren

Hülya Kursun, Klinik für Anästhesie, Intensivme­dizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, Klinikum Ludwigsburg Posilipostraße 4 71640 Ludwigsburg, Deutschland
C. Diehl, Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, Klinikum Ludwigsburg (Direktor: Prof. Dr. G. Geldner)
G. Geldner, Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, Klinikum Ludwigsburg (Direktor: Prof. Dr. G. Geldner)

Schlüsselwörter

Chinin, Loperamid, Effluxtransporter, ABC-Transporter

Zusammenfassung

Im Folgenden wird über eine akzidentiell hervorgerufene Arzneimittelintoxikation berichtet. Eine junge gesunde Frau mit unauffäl­liger Sozial- und Suchtanamnese erkrankte an einer Gastroenteritis, welche symptomatisch mit Loperamid behandelt wurde. Aufgrund einer Chinin-Einnahme in den Vortagen durch größere Mengen Bittergetränke kam es akzidentiell zu einer zentralen µ-Rezeptor-Wirkung des Loperamids mit konsekutiver Vigilanzminderung und anschließender Aspiration. Wie schon seit längerem bekannt, gibt es eine große Gruppe an Medikamen­ten (Amiodaron, Azithromycin, Captopril, Clarithromycin), welche Effluxtransporter (ABC-Transporter, vom Para-Glykoprotein (P-gp)-Typ) hemmen. Effluxtransporter können unter Energieverbrauch Substanzen gegen ein Konzentrations­gefälle transportieren. Dieser Effekt wird in der Therapie von Tumoren zum Teil genutzt. Chinin sowie sein Stereomer Chinidin gehören zu den (P-gp)-Hemmern und führen dadurch zu einer zentralen Akkumulation des µ-Rezeptor-Agonisten Loperamid. In der Drogenszene wird dieser Effekt ausgenutzt, um eine zentrale Wirkung zu erreichen. Aufgrund dessen ist das in Deutschland bis April 2015 frei erhält­liche Chinin rezeptpflichtig geworden. In den USA ist Chinin komplett vom Markt genommen worden.
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