Anästh Intensivmed 2019;60:164-172 Deutsch English
Originalia - Notfallmedizin
Der Einfluss von Ausbildung und Erfahrung auf Dosierungsfehler bei pädiatrischen Notfallmedikamenten – eine interventionelle Fragebogen-Studie mit tabellarischer Hilfe

Autoren

Jost Kaufmann, Kinderkrankenhaus der Kliniken der Stadt Köln gGmbH, Amsterdamer Straße 59, 50735 Köln, Deutschland
T. Engelhardt,
I. Steinwegs,
J. Hinkelbein,
F. Piekarski,
M. Laschat,
A. Böhmer,
M. Hellmich,
F. Wappler,

Schlüsselwörter

Patientensicherheit, Medikationsfehler, Pädiatrie, Notfälle

Zusammenfassung

Hintergrund: Durch verschiedene Interventionen können Dosierungsfehler bei pädiatrischen Notfällen reduziert werden. Der Einfluss von Ausbildung und Erfahrung des Anwenders auf die Inzidenz dieser Fehler mit oder ohne ein tabellarisches Hilfsmittel ist bisher unbekannt. Methodik: Im Rahmen einer interventionellen Fragebogenstudie war zunächst die Ausbildung anzugeben (Pflegekräfte (PK), Medizinstudierende (MS), Ärzt/innen in Weiterbildung (ÄiW) oder Fach-, Ober- und Chefärzt/innen (FÄ)). Danach sollte die Dosis von vier Notfallmedikamenten für ein 7 kg wiegendes Kind zunächst ohne und im Anschluss daran mit Hilfe einer Tabelle angegeben werden. Es wurden Abweichungen von der empfohlenen Dosis von 120% (AvED120), 300% (AvED300) und 1.000% (AvED1000) erfasst. Ergebnisse: Insgesamt wurden 186 Fragebögen und 1.326 Medikamentenanordnungen eingeschlossen. FÄ machten im Vergleich zu ÄiW, PK und MS weniger Dosierungsfehler ohne Hilfsmittel bei der Verordnung von Epinephrin (AvED120: FÄ 18%, ÄiW 23%, PK 50%, MS 78%). Mit der tabellarischen Hilfe machten alle Berufsgruppen weniger Fehler (AvED120: FÄ 7% (p=0,031), ÄiW 9% (p=0,375), PK 11% (p=0,016), MS 0% (p<0,001)). Die tabellarische Hilfe reduzierte Fehler bei PK und MS erheblich. AvED1000 mit Epinephrin wurden bei PK vollständig eliminiert und bei MS sogar AvED´s jeder Intensität. FÄ und ÄiW hingegen machten trotz der tabellarischen Hilfe weiterhin potenziell lebensbedrohliche Fehler bei der Verordnung von Epinephrin. Schlussfolgerungen: Obwohl FÄ am wenigsten Dosierungsfehler ohne das Hilfsmittel machten, konnte bei Ihnen keine vergleichbare Verbesserung wie bei PK oder MS durch die tabellarische Hilfe beobachtet werden. Die strikte Einhaltung von Sicherheitsstrukturen und eine gelebte Sicherheitskultur sind erforderlich, um Fehler bei der Dosierung von Notfallmedikamenten für Kinder weiter zu reduzieren.
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