Anästh Intensivmed 2019;60:209-222 Deutsch English
Sonderbeiträge - Qualitätssicherung
Konzepte zur Qualitäts­sicherung in der Intensiv­medizin – Ärztliches Peer-Review, Zertifizierungsverfahren & Benchmarking-Instrumente

Autoren

Thorsten Brenner, MHBA, Klinik für Anästhesiologie Universitätsklinikum Heidelberg Im Neuenheimer Feld 110 69120 Heidelberg, Deutschland
T.M. Bingold,
J.P. Braun,
H. Bause,
R. Dubb,
A. Henninger,
A. Kaltwasser,
O. Kumpf,
W.A. Krüger,
G. Marx,
M.A. Weigand,
A. Brinkmann,

Schlüsselwörter

Intensivmedizin, Peer-Review, Qualitätsindikatoren, Patien­tensicherheit, Zertifizierung, Qualitätssicherung

Zusammenfassung

Die intensivmedizinischen Versorgungsbereiche eines Krankenhauses stellen „Hochrisikobereiche“ der Patientenver- sorgung dar, so dass es sowohl eines proaktiven Qualitäts- und Fehlermanagements als auch einer strukturierten Qualitätssicherung zur Gewährleistung der bestmöglichen Versorgungsqualität sowie Patientensicherheit bedarf. Der hier vorliegende Artikel hat daher zum Ziel, die gegenwärtig bestehenden Qualitätssicherungskonzepte in der Intensivmedizin differenziert zu beleuchten und die darin inkludierten Benchmarking-Instrumente detailliert vorzustellen. Kennzahlen, Indikatoren und nationale Benchmarks stellen wichtige Bausteine dar, um die Qualität von Strukturen, Prozessen und Ergebnissen der intensiv­medizinischen Versorgung besser quan- tifizieren zu können. So stellt z.B. der Kerndatensatz Intensivmedizin (KDI) aus dem Jahr 2010 eine wichtige Möglichkeit zum Benchmarking zwischen Intensivstationen dar, indem er sowohl Strukturdaten des Krankenhauses so­wie der Intensivstation als auch patienten­bezogene Daten zur Demographie, dem Aufnahmegrund sowie zur Erkrankungsschwere bei Aufnahme berücksichtigt. Weiterhin stehen mit der nunmehr dritten Auflage der intensivmedizinischen Qualitätsindikatoren (QI) aus dem Jahr 2017 insgesamt 10 medizinische Qualitätsindikatoren zur Verfügung, die regelmäßig auf Basis der aktuellsten Evidenz verfasst werden und die Donabedians Dimensionen Struktur-, Prozess- sowie Ergebnisqualität in der Intensivmedizin umfassen. Sowohl eine Qualitätssicherung durch externe Kontrolle und Rechenschaft (wie z.B. das modulare Zertifikat Intensivmedizin, welches eine klassische Form der Zertifizierung darstellt) als auch freiwillige Qualitätssicherungssysteme (wie z.B. die Methode des Ärztlichen Peer-Reviews in der Intensivmedizin) haben sich in der klinischen Versorgungspraxis bewährt. Mögliche Ausgestaltungsformen des sog. Ärztlichen Peer-Reviews, die auf Grund- lage des „Curriculum Ärztliches Peer-Review“ der Bundesärztekammer erfol- gen, stellen das Intensivmedizinische Peer-Review der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) sowie das Peer-Review der Initiative Qualitätsmedizin (IQM) dar. Obwohl beide Peer-Review-Verfahren auf den ersten Blick viele Gemeinsamkeiten aufweisen, so offenbart eine detailliertere Betrachtung viele ver- fahrensspezifische Besonderheiten bzw. Unterschiede. Deren Kenntnis ist unabdingbare Voraus­setzung für die Einschätzung, welches die optimalen Einsatz­- gebiete der jeweiligen Verfahren darstellen und was diese in dem entsprechenden Einsatzgebiet zu leisten imstande sind.
Drucken kompletter Artikel (PDF) ca. 3721 KB Fenster schließen