Anästh Intensivmed 2019;60:150-163 Deutsch English
Originalia - Klinische Anästhesie
Unterschiede von Kenntnissen und Selbsteinschätzung der Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung im Vergleich zu Fachärztinnen und Fachärzten der Anästhesiologie zu Fragen der Multiresistenz bakterieller Erreger und einer rationalen Antibiotikaverordnung Ergebnisse einer infektiologischen Fragebogenstu

Autoren

Matthias May, Urologische Klinik, St. Elisabeth Klinikum Straubing St. Elisabeth-Straße 23 94315 Straubing, Deutschland
T. Hachenberg, Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie, Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R., Otto-von-Guericke-Universität
S. Brookman-May, Urologische Klinik, St. Elisabeth-Klinikum Straubing
C. Ernst, Klinik für Anästhesiologie, Operative Intensivmedizin und Schmerzmedizin, St. Elisabeth-Klinikum Straubing
B. Zwißler, Klinik für Anästhesiologie, Klinikum der Universität München, Ludwig-Maximilians-Universität München
C. Glückstein, Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, Universitätsklinikum Augsburg
M. Heim, Klinik für Anästhesiologie, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München
J. Soukup, Klinik für Anästhesiologie, Intensivtherapie und Palliativmedizin, Carl-Thiem-Klinikum Cottbus
H. Mutlak, Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, Universitätsklinikum Frankfurt, Goethe-Universität Frankfurt
M. Pawlik, Klinik für Anästhesiologie, Krankenhaus St. Josef Regensburg
J. Schön, Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Medizinische Hochschule Brandenburg, Ruppiner Kliniken Neuruppin
M. Kees, Klinik für Anästhesiologie, Klinikum der Universität Regensburg
M. Kretzschmar, Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie, Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R., Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
A. Freitag, Klinik für Anästhesie, Operative Intensivmedizin und Schmerztherapie, Vivantes Humboldt-Klinikum Berlin
M. Hübler, Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
F. Breitner, Klinik für Anästhesiologie und Intensiv­medizin, Krankenhaus Barmherzige Brüder München
M. Schmidt, Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Klinikum Barnim GmbH, Werner Forßmann Krankenhaus Eberswalde
G. Boeden, Klinik für Anästhesiologie und Intensiv­medizin, Krankenhaus Barmherzige Brüder München
C. Schulz, Klinik für Anästhesiologie, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München
G. Badelt, Klinik für Anästhesie und Kinderanästhesie, Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg, Klinik St. Hedwig
C. Koch, Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie, Justus-Liebig Universität Gießen
M. Sander, Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie, Justus-Liebig Universität Gießen
B. Graf, Klinik für Anästhesiologie, Klinikum der Universität Regensburg
M. Zoller, Klinik für Anästhesiologie, Klinikum der Universität München, Ludwig-Maximilians-Universität München
K. Zacharowski, Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, Universitätsklinikum Frankfurt, Goethe-Universität Frankfurt
M. Jacob, Klinik für Anästhesiologie, Operative Intensivmedizin und Schmerzmedizin, St. Elisabeth-Klinikum Straubing

Schlüsselwörter

Multiresistente Erreger, Antibiotic Stewardship, Mikrobiologische Diagnostik, Antiinfektive Therapie, Multizentrische Studie

Zusammenfassung

Hintergrund: Es liegen derzeit keine gesicherten Erkenntnisse vor, über wel­ches anwendungsbereite Wissen zu mul- tiresistenten Erregern (MRE) und dem rationalen Einsatz von Antibiotika Ärzt/innen und Ärzt/innen in Weiterbildung (ÄiW) im Vergleich zu Fachärzt/innen (FÄ) der Anästhesiologie verfügen. Methodik: Im Zeitraum 6/2017 bis 11/2017 wurden Fragebögen mit jeweils 5+50 Items in 16 anästhesiologischen Hauptabteilungen einmalig gemäß der ärztlichen Teamstärke verteilt. Mit multivariaten logistischen Regressionsmodellen wurde der Einfluss des Ausbildungsstands (ÄiW vs. FÄ) auf verschiedene prädeterminierte Endpunkte geprüft. Ergebnisse: Die Rücklaufquote betrug 54% (684/1268). Bei der Interpretation der mikrobiologischen Diagnostik fühlten sich 40,4% der ÄiW und 19% der FÄ unsicher bis sehr unsicher (p<0,001). Bei der Wahl des passenden Antibiotikums bestanden Unsicherheiten bei 72,2% bzw. 37,8% (p<0,001), bezüglich der Festlegung von Dosis, Frequenz und Dauer der Antibiotikaverordnung bei 69,1% bzw. 36% (p<0,001). 83,6% bzw. 50,6% (p<0,001) schätzten ihr Wissen über die Maßnahmen eines Antibiotic Stewardship als nicht vorhanden oder gering ein. Nur 9,2% der ÄiW und 24,4% der FÄ (p<0,001) bewerteten das klinikinterne Weiterbildungsangebot zum Thema der antiinfektiven Therapie als ausreichend. In den Gruppen hatten 69,6% bzw. 46,5% (p<0,001) in den vorangehenden 12 Monaten keine dies­bezügliche Fortbildung innerhalb oder außerhalb ihres Klinikums besucht. Jeweils 85% der Teilnehmer beider Gruppen sprachen sich dafür aus, dass Lehrinhalte einer suffizienten antiinfektiven Therapie obligat in die deutsche Weiterbildungsordnung zum Facharzt für Anästhesiologie integriert werden sollten. In den multivariaten Modellen konnte gezeigt werden, dass ÄiW im Vergleich mit den FÄ ihre eigenen Fähigkeiten (Sicherheit und Kenntnisse) signifikant schlechter einschätzten und ihr konkretes Wissen signifikant geringer war. Schlussfolgerungen: Die Fortbildungen und Inhalte der Facharztweiterbildungs­ordnung sollten dem steigenden Bedarf angepasst werden, der durch die Notwendigkeit einer rationalen Antibiotikaverordnung im klinischen Behandlungsalltag besteht.
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