Anästh Intensivmed 2019;60:75-83 Deutsch English
Sonderbeiträge - Leitlinien
Funktionsprüfung des Narkosegerätes zur Gewährleistung der Patientensicherheit – Empfehlung der Kommission für Normung und technische Sicherheit der DGAI

Autoren

Thomas Prien, Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie Universitätsklinikum Münster Albert-Schweitzer-Campus 1, Gebäude A1, 48149 Münster, Deutschland
H. Bürkle, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Universitätsklinikum Freiburg
M. Czaplik, Klinik für Anästhesiologie, Uniklinik RWTH Aachen (Direktor: Prof. Dr. R. Rossaint)
M. Hölzl, Klinik für Anästhesiologie und Intensiv­medizin, Helios Klinikum Emil von Behring, Berlin (Chefarzt: Dr. E. Nickel)
Ch. Hönemann, Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und Operative Intensivmedizin, St. Marien-Hospital Vechta
J. Grensemann, Zentrum für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (Zentrumsleiter: Prof. Dr. A. E. Goetz)
Th. Muders, Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, Univer­sitätsklinikum Bonn (Direktor: Prof. Dr. A. Hoeft)
R. Sattler, Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie, Universitätsmedizin Rostock (Direktor: Prof. Dr. D. Reuter)
D. Schädler, Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel (Komm. Direktor: Prof. Dr. M. Steinfath)
T. Krauß, Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Medizinische Hochschule Hannover (Direktor: Prof. Dr. W. Koppert)

Schlüsselwörter

Anästhesiegerät, Funktions­prüfung, Patientensicherheit

Zusammenfassung

Die sichere Anwendung von Anästhesie­geräten wird grundlegend durch natio­nale (in Deutschland z. B. die Medizinprodukte-Betreiberverordnung) und internationale (in Europa die Verordnung über Medizinprodukte (EU) 2017/745) Direktiven sichergestellt. Diese sehen u.a. eine Funktionsprüfung durch den Anwender vor. Fallberichte zeigen, dass diese Funktionsprüfung nach Angaben des Herstellers nicht immer genügt, weil sie a) nicht alle Aspekte des Zubehörs umfasst, b) Fehler im laufenden Betrieb des Gerätes auftreten können (Patientenwechsel) und sie c) im Notfall zu lange dauert. Zum Lückenschluss wird ein KURZcheck des Gerätes empfohlen, der immer dann vorzunehmen ist, wenn ein Patient an ein Anästhesiegerät an­geschlossen wird. Der KURZcheck umfasst drei essentielle Aspekte: 1) Orien­tierend wird die Gasfluss-Funktio­nalität des Atemsystems geprüft, dessen korrekte Montage und ob große Leckagen bzw. Obstruktionen vorhanden sind. 2) An­hand der FiO2-Messung wird verifi­ziert, dass das farb- und geruchlose Gasgemisch, das dem Patienten zugeführt wird, genug Sauerstoff enthält. 3) Mittels Kapnometrie wird verifiziert, dass die Lungen ventiliert werden. Die Gasfluss-Funktionalität wird zu­nächst durch einen kurzen „PaF-Test“ (Pres­sure and Flow) geprüft. Dazu wird am Narkosegerät der Beatmungsmodus „manuell / spontan“ gewählt und das APL-Ventil auf einen Wert von 30 mbar eingestellt. Der Handbeatmungsbeutel wird in die Hand genommen und die Patientenanschlussöffnung ver­schlos­sen. Mit der Sauerstoff-Flush-Funktion werden Atemsystem und Hand­beatmungsbeutel aufgefüllt. Bei manueller Kompression darf sich der Handbeatmungsbeutel nicht entleeren („Pressure“). Bei Wiederöffnung der Patientenanschlussöffnung muss deutlich spürbar ein Gasstrom aus­treten („Flow“). Ferner werden vor dem Start einer maschinellen Ventilation immer zumindest einige manuelle / assistierte Atemhübe ge­­geben. Bei auffälligen Befunden wird die Verbindung zwi­schen Patient und Anästhesiegerät wieder getrennt und eine systemati­sche Fehlersuche eingeleitet. Beatmete Patienten werden derweil mit dem obligatorisch vorzuhaltenden separaten Handbeat­mungsbeutel beatmet. Algorithmen für die systematische Fehlersuche bei Ste­­nose- und Leckagesymptomatik sind angefügt.
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