Anästh Intensivmed 2019;60:95-101 Deutsch English
Sonderbeiträge - Qualitätssicherung
Peer-Support in der Akutmedizin

Autoren

Andreas Schießl, PSU-Akut e.V. c/o ÄKBV München, Elsenheimerstraße 63, 80687 München, Deutschland
D. Hinzmann, Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum rechts der Isar der TU München, München / Verein für Psychosoziale Kompetenz und Unterstützung in der Akutmedizin – PSU-Akut, München
M. Koll-Krüsmann, Verein für Psychosoziale Kompetenz und Unterstützung in der Akutmedizin – PSU-Akut, München / Praxis für Psychologische Psychotherapie, München
G. Schneider, Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum rechts der Isar der TU München, München
J. Kreitlow, Verein für Psychosoziale Kompetenz und Unterstützung in der Akutmedizin – PSU-Akut, München / Gemeinschaftspraxis für Anästhesie Lob/Gierer/Kiesel/Kreitlow, München

Schlüsselwörter

Peer-Support, Belastung, Akutmedizin, Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV), Posttraumatische Belastungs­störung (PTBS), Second Victim, Psychische Belastung am Arbeitsplatz

Zusammenfassung

Die Akutmedizin als Hochrisikobereich erfordert vom medizinischen Personal stets ein Höchstmaß an Professionalität. Hohe Anforderungen und komplexe Krankheitsbilder stellen Mitarbeiter immer wieder vor schwierige Herausforderungen. Diese führen häufig zu akutem Stress und können eine chronische Stressbelastung zur Folge haben. Zudem kann es jederzeit zu besonders kritischen bzw. potentiell traumatisierenden Ereignissen kommen. Diese können persönlich sehr nahegehen – seien sie schicksalshaft bedingt oder durch mögliche Behandlungsfehler verursacht. Sie können auch bei routinierten Mitarbeitern akute psychische Beeinträchtigungen und intensive Emotionen hervorrufen. Bei tätigkeitsbedingter psychischer Extrembelastung spricht man dabei von sekundärer Traumatisierung. Im Folgenden werden ein Gesamtkonzept zum Umgang mit schwerwiegenden Ereignissen und erste Erfahrungen mit einem sogenannten Peer-Support-System in der Medizin vorgestellt. Dieses System ist ein hilfreiches Mittel, die Folgen von psychischen Belastungen am Arbeitsplatz in der Medizin zu reduzieren. Der Gedanke des Peers (aus dem Englischen für Kollege, Kollegin) ist hier der entscheidende Ansatz. Der Peer besitzt sowohl Kompetenzen als Fachkollege, ist aber auch weitergebildet für den Umgang mit Kolleginnen und Kollegen in akuten Belastungssituationen. Zusätzlich profitiert der Arbeitgeber, der durch die Integration einer Peer-Struktur nicht nur seinen gesetzlichen Auftrag erfüllt, sondern einen wesentlichen Bei­trag zur Mitarbeiterfürsorge und für die Patientensicherheit leistet.
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