Anästh Intensivmed 2019;60:5-10 Deutsch English
Originalia - Intensivmedizin
Die Anwendungspraxis von Metamizol und Paracetamol bei der antipyretischen Therapie auf Intensivstationen deutscher Universitäts­kliniken – eine web­basierte Umfrage

Autoren

Thomas Stueber, Klinik für Anästhesiologie und ­Intensivmedizin, Medizinische Hochschule Hannover, Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover, Deutschland
B. Vakulya, Klinik für Anästhesiologie und Intensiv­medizin, Medizinische Hochschule Hannover
H.-J. Gillmann, Klinik für Anästhesiologie und Intensiv­medizin, Medizinische Hochschule Hannover
A. Leffler, Klinik für Anästhesiologie und Intensiv­medizin, Medizinische Hochschule Hannover

Schlüsselwörter

Umfrage, Metamizol, Paracetamol, Intensivmedizin, Antipyretische Therapie

Zusammenfassung

Hintergrund: Metamizol und Paracetamol werden in der perioperativen Medizin häufig zur Analgesie und Antipyrese verwendet. Insbesondere im intensivmedizinischen Kontext fehlen derzeit Daten zu Nutzen und Risiken für eine medikamentöse antipyretische Therapie mit Metamizol und Paracetamol. Vor diesem Hintergrund ist auch die Praxis der Anwendung dieser Substanzen hinsichtlich der Indikations- und Kontraindikationsstellung auf Intensivstationen unklar. Gegenstand der vorliegenden Arbeit war daher eine Evaluation der derzeitigen Praxis beim Einsatz von Metamizol und Paracetamol zur antipyretischen Therapie hinsichtlich ihrer Indikationen und Kontraindikationen auf Intensivstationen deutscher Universitätskliniken. Studiendesign und Untersuchungsmethoden: Die Umfrage erfolgte online mittels Fragebogen im Zeitraum von Februar bis August 2016. Dazu wurden ärztliche Kollegen unterschiedlicher Fachdisziplinen in deutschen Universi­tätskliniken angeschrieben, die an der intensivmedizinischen Versorgung teil­nehmen. Ergebnisse: Insgesamt lagen 344 voll­ständig ausgefüllte Fragebögen zur Aus­wertung vor. Nahezu alle Kollegen führen eine medikamentöse antipyretische oder eine analgetische Behandlung mit Metamizol oder Paracetamol durch. Der Temperaturgrenzwert zur Indikationsstellung schwankt dabei zwischen 37,5º und 40º Celsius. Die Datenlage zu Indikationen und Kontraindikationen zeigt ein heterogenes Bild und steht teilweise im Widerspruch zu den jeweiligen Fachinformationen. Schlussfolgerung: Metamizol und Pa­racetamol werden auf deutschen In­tensivstationen häufig eingesetzt. Die heterogene Indikationsstellung reflektiert dabei unseres Erachtens die lückenhafte Datenlage zu Nutzen und Risiken dieser Substanzen. Angesichts der regelhaften Verwendung im intensivmedizinischen Kontext halten wir klinische Studien zur Verwendung dieser Substanzen für dringend erforderlich.
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