Anästh Intensivmed 2019;60:11-16 Deutsch English
Originalia - Intensivmedizin
Von den Toten für die Lebenden – Rechtsmedizinische Aspekte bei Explantationen und klinisch interessante Fakten

Autoren

Stefanie Plenzig, Institut für Rechtsmedizin, Klinikum der Johann Wolfgang, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Kennedyallee 104, 60596 Frankfurt am Main, Deutschland
F. Holz, Institut für Rechtsmedizin, Universitätsklinikum Frankfurt/Main
A. P. Barreiros Clara, Deutsche Stiftung Organtransplantation, Region Mitte, Organisationszentrale Mainz
A. C. Haß, Deutsche Stiftung Organtransplantation, Region Mitte, Organisationszentrale Mainz
M. A. Verhoff, Institut für Rechtsmedizin, Universitätsklinikum Frankfurt/Main

Schlüsselwörter

Organspende, Organtransplantation, Rechtsmedizin, nicht-natürlicher Tod

Zusammenfassung

Hintergrund: Wegen des deutlichen Rückgangs der postmortalen Organspende in den letzten Jahren kommt es sehr darauf an, jede mögliche Spende zu realisieren. Die Hinzuziehung ei­nes Rechtsmediziners durch die Staatsanwaltschaft zu einer Explantation mi­nimiert den Beweisverlust im Todes­ermittlungsverfahren, was dazu führt, dass Organentnahmen auch bei nicht-natürlichen Todesfällen (u. a. Tötungs­delikten) ermöglicht werden. Methodik: Es erfolgten eine retrospektive Auswertung der mit Explantation in Zusammenhang stehenden Fälle des Instituts für Rechtsmedizin in Frankfurt am Main im Zeitraum von 2007 bis einschließlich 2017 und ein Abgleich mit den Daten der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Ergebnisse: Bei den insgesamt 50 Fällen handelte es sich um 38 männliche und 12 weibliche Organspender im Alter zwischen 6 Monaten und 83 Jahren, in 90% der Fälle lag eine nicht-natürliche Todesart vor. 5 der postmortalen Organspender verstarben infolge eines Tötungsdelikts, bei den meisten der nicht-natürlichen Todesfälle war ein Unfallgeschehen ursächlich (67%). Insgesamt wurden 199 Organe entnommen und hiervon 98% transplantiert. Bei 18% der postmortalen Organspender zeigte sich jeweils mindestens eines der entnommenen Organe leicht verletzt. Schlussfolgerung: Die enge Zusammen­arbeit zwischen Klinik, DSO, Rechtsmedizin und Ermittlungsbehörden er­möglicht die Transplantation dringend benötigter Spenderorgane bei nicht-natürlichen Todesfällen mit Minimierung des Beweisverlusts im Todesermittlungsverfahren.
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