Anästh Intensivmed 2019;60:301-306 Deutsch English
Originalia - Klinische Anästhesie
Der Pecs II-Block in der Brustchirurgie bei Mammakarzinom: eine Pilotuntersuchung in der Routineversorgung

Autoren

Christine Kubulus, Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie Universitätsklinikum des Saarlandes Kirrberger Straße 100 66421 Homburg Saar, Deutschland
M. Gyenge,
O. Keller,
T. Volk,

Schlüsselwörter

Pecs-Block, Regionalanästhesie, Postoperativer Schmerz, Brustkrebs, Brusterhaltende Chirurgie

Zusammenfassung

Hintergrund: Die chirurgische Therapie des Mammakarzinoms geht mit relevanten postoperativen Schmerzen und einer hohen Chronifizierungsrate einher. Der Pecs II-Block scheint ein einfach zu erlernendes, effektives Regionalanästhesieverfahren zur Analgesie bei Mammakarzinom-Operationen zu sein. Fragestellung: Die vorliegende Untersuchung sollte klären, ob die Einführung der Pecs II-Blockade für die brusterhaltende operative Therapie ein effektives analgetisches Verfahren darstellt. Methodik: Nach Einführung der Pecs II-Blockade für Eingriffe mit Sentinel-Lymphknoten-Exzision wurden 60 Patientinnen in die Untersuchung eingeschlossen (30 Pecs, 30 Kontrollen). Mithilfe der Fragebögen aus dem PAIN OUT-Projekt wurden neben demographischen Daten, Komorbitäten und dem Opioidverbrauch der postoperative Schmerz (min/max), die Nebenwirkungen der Schmerztherapie, die postoperative Beeinträchtigung der Atemfunktion, des Schlafes und der Aktivität im bzw. außerhalb des Bettes sowie die Zufriedenheit der Patientinnen mit der Schmerztherapie erhoben. Ergebnisse: Der intra- und postoperative Opioidverbrauch sowie das postoperative Schmerzniveau (max/min) waren in der Pecs-Gruppe signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe. Bezüglich der Nebenwirkungen der Schmerztherapie gab es, bis auf das in der Pecs-Gruppe niedrigere Ausmaß an Benommenheit, keinen Unterschied. Patientinnen der Pecs-Gruppe bewerteten die schmerzbedingte Einschränkung der Atemfunktion (NRS 0,37 ± 0,9 vs. 1,5 ± 1,8; p = 0,0025) und der Schlafqualität (NRS 0,9 ± 1,9 vs. 2,6 ± 2,5; p = 0,005) signifikant besser als Patientinnen der Kontrollgruppe. Gleiches gilt für schmerzbedingte Einschränkungen der Mobilität im Bett (1,4 ± 1,9 vs. 3,0 ± 2,5; p = 0,005) und außerhalb des Bettes (0,6 ± 1,3 vs. 2,0 ± 1,9; p = 0,001). Beide Gruppen waren mit ihrem Schmerztherapiekonzept gleichermaßen zufrieden. Schlussfolgerung: Der Pecs II-Block stellt auch bei einem unselektierten Pa­tientengut ein effektives analgetisches Verfahren in der Akutschmerztherapie nach brusterhaltender Tumorchirurgie mit Sentinel-Lymphknoten-Exzision dar. Aufgrund seiner Einfachheit sollte dieser Block zum Standard gehören.
Drucken kompletter Artikel (PDF) ca. 268 KB Fenster schließen