Anästh Intensivmed 2019;60:338-341 Deutsch English
Mitteilungen - Kasuistiken
Irreführende Drainagemenge beidseitiger Thoraxdrainagen nach multiplem Trauma

Autoren

Marco M. Schneider, Arcus Sportklinik Rastatter Str. 17–19 75179 Pforzheim, Deutschland Tel.: 07231 60556-3151
B. Bouillon,
F. Wappler,
J.M. Defosse,
S.G. Sakka,

Schlüsselwörter

Thoraxtrauma, Thoraxdrainage, Massivtransfusion, Drainageversagen

Zusammenfassung

Das Einbringen einer Thoraxdrainage stellt eine potentiell lebensrettende Maßnahme in prä- und innerklinischen Szenarien, vor allem bei Patienten mit einem Thoraxtrauma, dar. Diese Intervention birgt allerdings verschiedene Risiken in sich und kann in der Folge zu einem falschen Sicherheitsgefühl führen. Wir berichten über einen 58-jährigen Mann, der als Motorradfahrer im Rahmen einer Frontalkollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug ein schweres Trauma erlitt. Am Unfallort wurde eine rechtsseitige Thoraxdrainage in Bülau-Position platziert. Im Rahmen der Schockraumversorgung wurden zusätzliche Thoraxdrainagen (rechts in Monaldi-, links in Bülau-Position) eingebracht. Aufgrund einer Leber- und Milzruptur erfolgte eine Laparotomie. Die Thoraxdrainagen förderten postoperativ beidseits jeweils kontinuierlich ca. 100 ml Blut pro Stunde, so dass bei nur geringem Hämatothorax in der Computertomographie bei Aufnahme der Thorax nicht als Quelle der anhaltenden Blutung betrachtet wurde. Der Patient wurde bei anhaltender Blutung mit Schocksymptomatik und Massivtransfusion unter dem Verdacht einer abdominellen Blutungsquelle relaparotomiert, wobei intraoperativ keine Blutungsquelle ausgemacht werden konnte. Vielmehr bestand postoperativ ein anhaltender Blutverlust. Eine Kontroll-Computertomographie lieferte den Nachweis eines massiven rechtsseitigen Hämatothorax. Nach Wechsel auf eine großlumigere Thoraxdrainage (38 Charrière, Bülau) wurden ca. 3 Liter Blut evakuiert. Eine Thorakotomie mit Revision war erforderlich, um die paravertebrale und interkostale Blutung zu stillen. Der Patient erholte sich im weiteren Verlauf und konnte am Tag 22 nach Aufnahme von der Intensiv- auf die Normalstation verlegt werden. Der Fall zeigt, dass geringe kontinuierliche Drainageraten eine thorakale Blutungsquelle nicht sicher ausschließen. Im Falle einer anhaltenden Blutung mit Transfusionspflicht sollten (gegebenenfalls erneut) bildgebende Verfahren wie die Sonographie, Röntgentechniken oder die Computertomographie zum Einsatz kommen.
Drucken kompletter Artikel (PDF) ca. 631 KB Fenster schließen