Anästh Intensivmed 2019;60:316-336 Deutsch English
Sonderbeiträge - Anästhesiegeschichte
S1-Leitlinie: Prähospitales Atemwegs­management* (Kurzfassung)

Autoren

Arnd Timmermann, DEAA, MME, Klinik für Anästhesie, Schmerz­therapie, Intensiv- und Notfallmedizin DRK Kliniken Berlin Westend und Mitte Spanndauer Damm 130 14050 Berlin, Deutschland
B. W. Böttiger, Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin, Uniklinik Köln
C. Byhahn, Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, Medizinischer Campus Universität Oldenburg Evangelisches Krankenhaus Oldenburg
V. Dörges, Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte Deutschlands e.V. (BAND e.V.), Berlin
C. Eich, Abteilung Anästhesie, Kinderintensiv- und Notfallmedizin, Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT, Hannover
J. T. Gräsner, Institut für Rettungs- und Notfallmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
F. Hoffmann, Kinderklinik und Kinderpoliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital, Interdisziplinäre Kinderintensivstation, Klinikum der Universität München, Campus Innenstadt
B. Hossfeld, Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin u. Schmerztherapie, Notfallmedizinisches Zentrum, Bundeswehrkrankenhaus Ulm
B. Landsleitner, Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin, Cnopf’sche Kinderklinik/Klinik Hallerwiese der Diakonie Neuendettelsau, Nürnberg
T. Piepho, Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin, Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier
R. Noppens, Department of Anesthesia & Perioperative Medicine, Western University, 339 Windermere Rd., LHSC- University Hospital, London, ON, Canada, N6A 5A5
S. G. Russo, Klinik für Anästhesiologie, Helios Universitätsklinikum Wuppertal, Universität Witten/Herdecke, Wuppertal
V. Wenzel, Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, Medizin Campus Bodensee- Friedrichshafen/Tettnang/Weingarten, Friedrichshafen
B. Zwißler, Klinik für Anaesthesiologie, LMU Klinikum der Universität München
M. Bernhard, Zentrale Notaufnahme, Universitätsklinikum Düsseldorf

Schlüsselwörter

Leitlinie, Notfallmedizin, Atemwegsmanagement, Prähospital, Intubation, Larynxmaske, Videolaryn­goskop, Maskenbeatmung

Zusammenfassung

Die vorliegende AWMF-S1-Leitlinie „Prähospitales Atemwegsmanagement“ wurde von einer durch die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) beauftragten Expertenkommission entwickelt, basierend auf der im Jahre 2012 publizierten gleichnamigen Handlungsempfehlung. Zielgruppen dieser Leitlinie sind Rettungsdienstfachpersonal und Notärzte. Es wurde eine umfangreiche Literaturrecherche durchgeführt, um insbesondere die aktuellen Entwicklungen zu berücksichtigen. Gemäß dem „Grade of Recommendation“-Schema (soll/sollte/kann) wurden über ein Delphi-Verfahren insgesamt 39 Empfehlungen formuliert. Zu den wichtigsten Empfehlungen der neuen S1-Leitlinie zählen, dass auf Grund der schwierigen prähospitalen Bedingungen immer zunächst eine kritische Überprüfung der Indikationsstellung zur invasiven Atemwegssicherung stattfinden soll. Obligat ist die Durchführung einer adäquaten Präoxygenierung mit höchstmöglicher inspiratorischer O2-Konzentration vor invasiver Atemwegssicherung beim spontanatmenden Patienten. Die endotracheale Intubation (ETI) soll beim Erwachsenen angestrebt und primär mit einem Videolaryngoskop mit Macintosh-ähnlichem Spatel durchgeführt werden, um sowohl die direkte als auch die indirekte Laryngoskopie anwenden zu können. Die ETI soll nur dann durchgeführt werden, wenn mindestens 100 ETI an Patienten unter Anleitung dokumentiert wurden und in der Wiederholung 10 ETI pro Jahr durchgeführt werden. Ein extraglottischer Atemweg (EGA) der zweiten Generation kann gewählt werden, wenn keine ausreichende Erfolgsaussicht für die ETI besteht und mindestens 45 EGA-Anwendungen am Patienten unter Anleitung dokumentiert und in der Wiederholung drei EGA-Anwendungen pro Jahr durchgeführt wurden. Als primäre Technik zur Beatmung von Kindern soll die optimierte Maskenbeatmung mit beidhändigem Esmarchmaskengriff (doppelter C-Griff), optimaler Kopflagerung und ggf. passendem Guedeltubus durchgeführt werden. Als extraglottischer Atemweg werden bei Kindern die Larynxmaske oder der nasopharyngeale Rachentubus empfohlen. Die kontinuierliche Kapnographie soll obligat während jeder Atemwegssicherungsmaßnahme angewendet werden. Die Ausbildung der gesamten Techniken soll am Patienten durchgeführt werden, Übungen am Phantom alleine sind nicht ausreichend. Es soll eine Anpassung der prähospitalen Ausrüstung, insbesondere bei den EGA und der Videolaryngoskopie, auf die innerklinische Ausbildung und die Trainingsmöglichkeiten stattfinden.
Drucken kompletter Artikel (PDF) ca. 1181 KB Fenster schließen