Anästh Intensivmed 2019;60:290-300 Deutsch English
Originalia - Klinische Anästhesie
Untersuchung der Einfluss­faktoren auf die Dauer der perioperativen Risiko­evaluation und anästhe­sio­logischen Aufklärung in einer anästhesiologischen Prämedikations­ambulanz an einer deutschen Universitätsklinik

Autoren

Markus Alb, D.E.S.A., Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin Universitätsmedizin Mannheim Theodor-Kutzer-Ufer 1–3 68167 Mannheim, Deutschland
T. Viergutz,
A. Gradt,
I. Betka,
N. Beck,
C. Weiß,
T. Kirschning,
M. Thiel,

Schlüsselwörter

Perioperative Behandlung, Risikoeinschätzung, Patientenbehandlung, Patientent­ermi­nierung

Zusammenfassung

Hintergrund und Fragestellung: Die perioperative Risikoevaluation von Pa­tienten ist von elementarer Bedeutung für die operative Versorgung. Nicht nur die rechtswirksame Aufklärung und Einwilligung in eine medizinische Maßnahme ist eine wesentliche Aufgabe des Prämedikationsgesprächs, sondern auch die Erhebung einer Anamnese unter besonderer Berücksichtigung etwaiger Blutungsereignisse sowie eine orientierende körperliche Untersuchung mit Eruierung der körperlichen Belastbarkeit. Eine Untersuchung der Einflussfaktoren auf die Dauer einer anästhesiologischen Evaluation und der Aufklärung über einen längeren Beobachtungszeitraum wurde nach unserem Kenntnisstand bislang noch nicht durchgeführt. Neben der Erhebung der Dauer des Evalua­tionsgesprächs – aufgeschlüsselt nach operativer Klinik, Narkoseverfahren und Aufklärung, der ASA-Klassifikationen und der Altersverteilung – sollte der Frage nachgegangen werden, von welchen weiteren Parametern die Dauer des Prämedikationsgesprächs wesentlich abhängt. Methodik: In dieser prospektiven Studie wurden die Daten alle Patienten erfasst, die sich zu einem elektiven Eingriff in der Risiko- und Prämedikationsambulanz (RPA) der Universitätsklinik Mannheim im Zeitraum vom 17.03.2014 bis 31.03.2016 vorstellten. Die Patienten rekrutierten sich aus sämtlichen Kliniken einer Universitätsklinik mit Ausnahme Kardiochirurgie, Mund-Kiefer-Gesichts­chirurgie und plastischer Chirurgie. Die Assoziation zwischen der Zielgröße „Dauer des Evaluationsgesprächs“ und diversen Parametern wurde mit uni­variablen statistischen Methoden analysiert. Ferner wurde eine multiple lineare Regressionsanalyse durchgeführt, um den Einfluss mehrerer Faktoren simultan zu testen. Ergebnisse: Insgesamt konnten 26.037 Patienten in unsere Untersuchung, für welche die Aufklärung erfolgte, eingeschlossen werden. Die beiden häufigsten Narkosearten waren die Intubationsnarkose (61,0%) und Regionalverfahren (22,0%). Das Prämedikationsgespräch dauerte im Schnitt 13,43 ± 7,41 Minuten. Es variierte jedoch in Abhängigkeit von diversen Parametern. Den stärksten Einfluss auf die Prämedikationsdauer hatte die Erkrankungsschwere des Patienten; es folgen die Narkoseart, das Alter der Patienten, das Vorhandensein einer operativen Aufklärung und erst danach die operative Fachdisziplin. Schlussfolgerungen: Die Dauer der Prämedikationsgespräche korreliert mit der Erkrankungsschwere, der Narkoseart, dem Alter des Patienten, dem Vorhandensein einer operativen Aufklärung und der chirurgischen Fachdisziplin. Ein Einwirken auf die operativen Kliniken mit der Bitte, die Unterlagen vollständig mit in die Prämedikationsambulanz zu geben, wird nötig sein, um den Gesamtprozess in der Prämedikationsambulanz zu verbessern. Hierfür ist ein interdisziplinäres Verständnis erforderlich, um die Effizienz der präklinischen Betreuung zu steigern und den Patientenkomfort zu erhöhen.
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