Anästh Intensivmed 2019;60:104-112 Deutsch English
Originalia - Notfallmedizin
Einfluss eines strukturierten Trainings auf den Einsatz von mechanischen Thoraxkompres­sionsgeräten

Autoren

Holger Gässler, Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Sektion Notfallmedizin Bundeswehrkrankenhaus Ulm Oberer Eselsberg 40 89081 Ulm, Deutschland
S. Decken, Klinik für Anästhesiologie und Intensiv­medizin, Sektion Notfallmedizin, Bundeswehrkrankenhaus Ulm
L. Lampl, Klinik für Anästhesiologie und Intensiv­medizin, Sektion Notfallmedizin, Bundeswehrkrankenhaus Ulm
M. Helm, Klinik für Anästhesiologie und Intensiv­medizin, Sektion Notfallmedizin, Bundeswehrkrankenhaus Ulm

Schlüsselwörter

Thoraxkompression, mechanisches Gerät, Training, No-Flow-Zeit

Zusammenfassung

Hintergrund: Die aktuellen Leitlinien zur kardiopulmonalen Reanimation führen an, dass der Einsatz mechanischer Thoraxkompressionsgeräte in bestimmten Situationen sinnvoll sein kann. In diesen Fällen wird empfohlen, dass deren Nutzung durch gut trainierte Anwender erfolgen soll. Allerdings gibt es wenige Arbeiten zu Trainingsstruktur sowie zu Zeitintervallen für ein Auffrischungstraining. Diese Studie hat zum Ziel, den initialen Erfolg und die Nachhaltigkeit eines strukturierten Trainings an zwei verschiedenen Thoraxkompressionsgeräten über einen Zeitraum von 3 Monaten zu untersuchen. Methodik: Das medizinische Personal einer Notaufnahme und einer Intensivstation mit bereits implementierten mechanischen Thoraxkompressionsge­räten setzte entweder LUCAS™ 2 oder AutoPulse® in einem standardisierten Reanimationsszenario an einem Manikin ein. Das Szenario wurde insgesamt vier Mal wiederholt: vor und direkt nach einem praktischen Training in kleinen Gruppen sowie nach ein und drei Monaten. Die Gesamtanlagezeit und die Zeit ohne Thoraxkompression (No-Flow-Zeit) wurden gemessen, außerdem wurden aufgetretene Probleme und Fehler während der Anlage festgehalten. Ergebnisse: Die Daten von 20 Teilnehmern in jeder Gruppe wurden eingeschlossen. Zusätzlich zu den reduzierten Anlagezeiten verringerte sich durch das Training die No-Flow-Zeit in beiden Gruppen signifikant (LUCAS 24,6 s vs. 9,8 s, p<0,001; AutoPulse 25,2 s vs. 12,7 s, p<0,001). Der positive Trainingseffekt in der LUCAS-Gruppe hielt drei Monate ohne signifikante Veränderung an, wäh­- rend sich die No-Flow-Zeit in der AutoPulse-Gruppe nach drei Monaten wieder signifikant verschlechtert hatte. Schlussfolgerungen: Intensives praktisches Training in kleinen Gruppen verbessert die Anwendung mechanischer Thoraxkompressionsgeräte auch bei erfahrenen Anwendern. Dieser Effekt lässt beim AutoPulse jedoch bereits nach 3 Monaten wieder signifikant nach. Daher sollte der Einsatz der mechanischen Geräte durchgehend durch ein Qualitätssicherungssystem überwacht werden.
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