Anästh Intensivmed 2019;60:113-121 Deutsch English
Originalia - Notfallmedizin
Funktionalität und Einsatztauglichkeit von Thoraxkompressions­geräten

Autoren

Dominik Treffer, Klinik für Anästhesiologie, Intensiv­medizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie Bundeswehrkrankenhaus Ulm Oberer Eselsberg 40 89081 Ulm, Deutschland
A. Weißleder, Klinik für Anästhesiologie, Intensivme­dizin, Notfallmedizin und Schmerz­therapie, Bundeswehrkrankenhaus Ulm
H. Gässler, Klinik für Anästhesiologie, Intensivme­dizin, Notfallmedizin und Schmerz­therapie, Bundeswehrkrankenhaus Ulm
S. Decken, Klinik für Innere Medizin, Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz
M. Hauptkorn, Siemens Healthineers MedMuseum, Erlangen
M. Helm, Klinik für Anästhesiologie, Intensivme­dizin, Notfallmedizin und Schmerz­therapie, Bundeswehrkrankenhaus Ulm

Schlüsselwörter

Mechanische Reanimations­hilfe, Thoraxkompressions­gerät, kardiopulmonale Reanimation, Wiederbelebung, prähospitaler Herz-Kreislauf-Stillstand

Zusammenfassung

Hintergrund: Die ERC-Leitlinien von 2015 beschreiben den Stellenwert me­chanischer Thoraxkompressionsgeräte dort, wo die manuelle Herzdruckmassage nicht suffizient oder nur mit erhöhtem Risiko für den Helfer durchzuführen ist (z.B. während des Patiententransports). Mittlerweile stehen zahlreiche Modell mechanischer Thoraxkompressionsgeräte zur Verfügung. Ziel dieser Untersuchung ist es daher, die Funktionalität und Einsatztauglichkeit der verschiedenen Fabrikate zu bewerten. Material und Methoden: Es wurden 5 Devices (LUCAS® 3, corpuls® cpr, Life­line ARM, Life-Stat Model 1008 und Siemens Sirepuls O2 Model 1003 – als historisches Vergleichsgerät) in die Studie eingeschlossen. Die Untersuchung erfolgte in zwei Abschnitten. Zuerst wurde die Anlage der Geräte an Probanden unterschiedlicher Konstitution bewertet. Danach wurden die verschiedenen Produkte an einem Manikin in einem prähospitalen Rettungsszenario mit Transportphase (Treppe, Fußweg, Ret­tungswagen) getestet. Zielparameter waren die Qualität der Herzdruckmassage und No-Flow-Zeiten als Marker der Funktionalität sowie die Sicherheit für Anwender und Patient als Marker der Einsatztauglichkeit. Ergebnisse: Im ersten Teil fand sich eine signifikante, schwach positive Korre­la­tion der Gesamtanlagedauer (und übe­r­wiegend auch der No-Flow-Zeiten) mit dem Thorax­umfang. Die mittlere Gesamt-No-Flow-Zeit über­schritt bei keinem Gerät die 10-Sekunden-Marke. Im prähospitalen Versuch zeigte sich bei allen Geräten, ausgenommen LUCAS® 3, eine Zunahme der Raten an unvollständigen Thoraxentlastungen. Der Life-Stat und die Gruppe der manuellen Herzdruckmassage zeigten eine schlechte Qualität der geleisteten Thoraxkompressionen mit langen No-Flow-Zeiten und hohem Risiko für Anwender und Patient. Der Sirepuls konnte die Qualitätsanforderungen an die HDM ebenfalls nicht erfüllen. LUCAS® 3, corpuls® cpr und Lifeline ARM arbeiteten störungsfrei. Schlussfolgerung: Die Ergebnisse be­to­nen den Stellenwert mechanischer Thorax­kompressionsgeräte während des Pa­tiententransports. Eine manuelle Thoraxkompression ist unter diesen Bedingungen ineffektiv und gefährlich. Die betrachteten pneumatischen Thoraxkompressionsgeräte sind im Vergleich zu den elektrisch betriebenen als nicht einsatztauglich zu bewerten. Ein zunehmender Thoraxumfang kann bei der Anlage die No-Flow-Zeit verlängern.
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