Anästh Intensivmed 2019;60:265-272 Deutsch English
Sonderbeiträge - Leitlinien
Personelle und organisa­torische Voraussetzungen für Schmerzdienste in Krankenhäusern Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Anästhesio­logie und Intensivmedizin e.V. (DGAI)*

Autoren

Joachim Erlenwein, Klinik für Anästhesiologie Universitätsmedizin Göttingen Robert-Koch-Straße 40 37075 Göttingen, Deutschland
W. Meißner,
F. Petzke,
E. Pogatzki-Zahn,
U. Stamer,
W. Koppert,

Schlüsselwörter

Akutschmerzdienst, Schmerz­management, Konsildienst, Regionalanästhesie, Analgesie­verfahren

Zusammenfassung

Obwohl Schmerzdienste als Versorgungs­modell etabliert sind, besteht eine erhebliche Heterogenität bezüglich Or­ganisation, personeller Besetzung und Qualifikation sowie zum Behandlungs­spektrum. Mit der vorliegenden Empfehlung definiert die Deutsche Gesell­schaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin personelle und organisatorischen Voraussetzungen für Schmerzdienste, um in Ergänzung zur allgemeinen Schmerzbehandlung der primär bettenführenden Abteilungen eine qualitativ hochwertige, spezialisierte, innerklinische schmerzmedizinische Versorgung in allen Versorgungseinheiten des Krankenhauses zu gewährleisten. Schmerzdienste sollen die Betreuung spezieller anästhesiologischer Analgesie­verfahren sowie die Konsil- und Liaison-Betreuung fachlich und organisatorisch in einer Dienststruktur abdecken. Sie sollen 24 Stunden / 7 Tage die Woche über einen einheitlichen Kontakt erreichbar sein. Der Ärztliche Leiter soll die Zu-satzbezeichnung spezielle Schmerztherapie innehaben, zusätzlich möglichst eine Weiterbildung in psychosomatische Grundversorgung. Weitere ärztliche Mitarbeiter sollen den Facharztstandard erfüllen, nicht-ärztliche Mitarbei­ter schmerzspezifische Weiterbildungen nachweisen. Als zeitliche Richtwerte für die Personalkalkulation wurden Mindestzeiten definiert für die Betreuung spezieller Analgesieverfahren (Erstkontakt 20 min, Folgekontakte 10 min.) und für Konsil- und Liaison-Betreuung (Erstkontakt 45 min, Folgekontakt 20 min), zuzüglich Wege- und Rüstzeiten, Schulung und Qualitätssicherung. Neben der Definition der räumlichen Ressourcen und Ausstattung wird betont, dass die Sicherstellung der spezialisierten Versorgung fach- und abteilungsübergeordnet eine hohe Priorität hat und ein ausreichendes und planbares eigenes Budget zur Verfügung stehen soll. Klinikinterne schriftliche Vereinbarungen zwischen den beteiligten Fachabteilungen werden zur Sicherung der Versorgungsqualität empfohlen, ebenso eine für alle Beteiligten transparente Dokumentation und die regelmäßige Erfassung der Ergebnisqualität aus Patientensicht.
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