Anästh Intensivmed 2019;60:226-232 Deutsch English
Originalia - Klinische Anästhesie
Postoperative Sauerstofftherapie übergewichtiger Patienten nach baria­trischen Operationen

Autoren

Philipp Groene, Klinik für Anästhesiologie Klinikum der Universität München Nussbaumstraße 20 80336 München, Deutschland
C. Zeuzem,
J. Eisenlohr,
K. Hofmann-Kiefer,

Schlüsselwörter

Hypoxie, Sauerstoff, Bariatrie, Fettleibigkeit, Bariatrische Chirurgie

Zusammenfassung

Hintergrund: Die vorliegende Studie untersucht die postoperative Sauerstoff­bedürftigkeit adipöser (Grad II und mehr) Patienten im Rahmen einer lapa­roskopischen Operation am Magen. Übergewichtige Patienten sind durch ihre Konstitution und Art der Operation und Anästhesie besonders gefährdet, postoperativ eine Hypoxie zu erleiden. Methodik: Es wurden alle bariatrischen Operationen am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität seit 2004 retrospektiv ausgewertet. Als Kontrollgruppe dienten nicht bariatrische Patienten, bei denen eine Operation am Magen durchgeführt wurde. Ausgeschlossen wurden Patienten mit Periduralanästhesie, direk­ter Verlegung auf eine Intensivstation oder ausgedehnten Tumoroperationen am Magen. Ausgewertet wurden die Inzidenz der postoperativen Sauer­stoff- bedürftigkeit, die Dauer der Sauerstoff-Gabe, der maximale benötigte Sauerstoff-Fluss, der Opioidbedarf und die periphere Sauerstoffsättigung anhand der Dokumentation im Narkoseprotokoll. Ergebnisse: 218 Patienten mit einem BMI >35 kg/m2 und 77 Patienten mit einem BMI <35 kg/m2 wurden eingeschlossen. Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied sowohl in der Häufigkeit der Sauerstoffgabe (79,2% bei BMI <35 kg/m2 vs. 86,7% bei BMI >35 kg/m2; p = 0,117) als auch in der Dauer der Applikation (105,0 (60,0; 137,5) min bei BMI <35 kg/m2 vs. 136 ± 79,8 min bei BMI >35 kg/m2; p = 0,061). Ein signifikanter Unterschied zeigte sich für den maximalen Sauerstoff-Flow (4 vs. 6 Liter/min; p = 0,001). Zudem konnte ein signifikanter Unterschied bei den niedrigsten gemessenen SaO2-Werten (91,0 ± 3,7% vs. 89,8 ± 4,8%; p = 0,039) im Aufwachraum festgestellt werden. Schlussfolgerung: Adipöse Patienten, die sich einer laparoskopischen Operation am Magen unterziehen, benötigen mehr Sauerstoff und zeigen niedrigere postoperative Sauerstoff-Sättigungswerte als nicht adipöse Patienten.
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