Anästh Intensivmed 2019;60:244-253 Deutsch English
Übersichten - Intensivmedizin
Wie sollte man ein ­strukturiertes Angehörigengespräch auf einer Intensivstation führen und dokumentieren?

Autoren

Oliver Kumpf, Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensiv- me­dizin, Campus Charité Mitte und Campus Virchow-Klinikum Charité – Universitätsmedizin Berlin, Corporate Member of Freie Univer­sität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, and Berlin Institute of Health Charitéplatz 1 10117 Berlin, Deutschland
S. Ostmeier,
J.-P. Braun,
C. Spies,
U. Haase,
C. Denke,
S. Jöbges,

Schlüsselwörter

Intensivmedizin, Kommuni­kation, Angehörige, Therapie- indikation, Patientenwille

Zusammenfassung

Hintergrund: Das Wohl des Patienten ist die zentrale Aufgabe einer ärztlichen Behandlung. Aus juristischer, medi­zinischer und ethischer Sicht ist es notwendig, anhand des medizinischen Fachwissens und des Patientenwillens eine gemeinsame Entscheidung („shared decision“) in diesem Sinne zu treffen. Aus dieser Forderung folgt, dass die Prinzipien einer Entscheidungsfindung in der Intensivmedizin – Indikation zur Therapie, Wille des Patienten und Festlegung der Therapieziele – nachvollziehbar festgehalten werden müssen. Methode: Anhand vorliegender Empfehlungen wurde aus der gängigen Literatur zu dem Thema eine Strategie zur Führung und Dokumentation strukturierter Patienten- und Angehörigenkommunikation abgeleitet. Ergebnis: Strukturierte Patienten- und Angehörigengespräche als wesentlicher Baustein sollten frühzeitig im Behand­lungsverlauf erfolgen und in regelmäßigen Abständen wiederholt werden. Hierdurch können Angehörige in das Behandlungsgeschehen integriert werden. Teils widerstrebende Interessen von Patienten, behandelndem Team und Angehörigen können so erfasst, diskutiert und ausgeräumt werden. Die exakte Dokumentation der Gespräche ermöglicht eine transparente Darstel­- lung der gewählten Therapie und Nachvollziehbarkeit des Entscheidungsprozesses. Dies führt zur Vermeidung von Belastungsreaktionen bei den angesprochenen Gruppen. Schlussfolgerung: Der Artikel fasst den gegenwärtigen Kenntnisstand zusammen und präsentiert grundlegende Elemente der Gesprächsführung und der Dokumentation. Der Vorschlag für ein Dokument zur Erfassung von Patienten- und Angehörigengesprächen wird präsentiert.
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