Anästh Intensivmed 2003;44:436-440 Deutsch English
Intensivmedizin
Postoperatives Adult Respiratory Distress Syndrome als mögliche Folge einer sieben Jahre zurückliegenden Bleomycintherapie
– Ein Fallbericht –

Autoren

Wolfgang Schaaf, Anästhesie-Abteilung Klinikum St. Elisabeth Straubing GmbH Straubing
H. Vogel,
E. Kreuser, Klinik für Internistische Onkologie und Hämatologie, Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Regensburg
M. Demandt, Onkologische Schwerpunktpraxis Straubing

Schlüsselwörter

Adult Respiratory Distress Syndrome (ARDS), Bleomycin, Sauerstoff, Chemotherapie, Zytostatika

Zusammenfassung

Bleomycin kann zusammen mit narkoseüblichen Sauerstoffkonzentrationen lebensbedrohliche pulmonale Komplikationen auslösen. Diese Verläufe sind in einem Zeitintervall von bis zu 12 Monaten nach Chemotherapie beschrieben. Wir berichten über eine 25jährige Patientin, die zur Cholezystektomie in unser Klinikum aufgenommen wurde. Sie war 7 Jahre zuvor zytostatisch, u.a. mit Bleomycin behandelt worden und entwickelte postoperativ ein lebensbedrohliches Adult Respiratory Distress Syndrome (ARDS). Nach Wertung sämtlicher Begleitumstände erscheint es wahrscheinlich, dass die vorangegangene Bleomycintherapie in Verbindung mit hohen Sauerstoffkonzentrationen die Ursache für das Adult Respiratory Distress Syndrome war. Es muss angenommen werden, dass auch Jahre später mit dieser Komplikation zu rechnen ist. Bei Patienten mit Zytostatikaanamnese sollte gezielt nach dem verwendeten Schema gefragt werden und bei Bleomycinbehandlung Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Hier ist in erster Linie die reduzierte bzw. bedarfsadaptierte Sauerstoffapplikation zu nennen. Flüssigkeitsrestriktion und Corticoidtherapie können bei eintretender Symptomatik helfen.
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