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Intensivmedizin | Intensive Care Medicine
B. Bastian · G. Marx · H. Rüffert

Ergebnisse einer Umfrage zum Auftreten einer Malignen Hyperthermie unter inhalativer Sedierung mit volatilen Anästhetika

Schlüsselwörter Maligne Hyperthermie – Inhalative Sedierung – Volatile Anästhetika – Intensivtherapie
Keywords Malignant Hyperthermia – Inhalative Sedation – Volatile Anaesthetics – Intensive Care
Zusammenfassung

Fragestellung: Vor dem Hintergrund der zunehmenden Anwendung der inhalativen Sedierungstechnik mit einem volatilen Anästhetikum wurde eine Umfrage zum Auftreten und zur Häufigkeit verdächtiger Symptome einer Malignen Hyperthermie bei Intensivtherapie-Patienten durchgeführt.

Methodik: Zwischen Februar und März 2018 wurden 768 Chefärzte von Anästhesieabteilungen in Deutschland angeschrieben, sich zu möglichen MH-Symptomen bzw. Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Anwendung einer inhalativen Sedierung mit volatilen Anästhetika zu äußern. Hierzu wurde über die DGAI ein Fragebogen mit 11 Fragen versandt und die Antworten in anonymisierter Form zur Auswertung weitergeleitet.

Ergebnisse: Bei einer Rücklaufquote von 17,6% konnten die Fragen von 69 anästhesiologischen Kollegen, die eine volatile Sedierung anwenden, ausge-wertet werden. In 5 Fällen war die Generierung einer MH unter diesem Sedierungsregime wahrscheinlich. Es traten alle angefragten MH-Symptome auf, am häufigsten wurde die Hyperkapnie angegeben. Darüber hinaus wurde formuliert, dass nicht immer Kenntnis über den Zusammenhang zwischen volatiler Sedierung und MH besteht, insbesondere bei Kollegen aus nichtanästhesiologischen Partnerdisziplinen. 

Schlussfolgerungen: Es zeigte sich, dass im Rahmen der Behandlung mit volatilen Anästhetika auf Intensivstationen in nicht unerheblichem Umfang Verdachtssymptome einer MH aufgetreten sind. Aufgrund eines anzunehmenden Kenntnisdefizits zur Pathogenese und Therapie sowie einer zunehmenden Anwendung der volatilen Sedierung auf Intensiveinheiten ist eine intensive Informations- und Aufklärungstätigkeit notwendig.

Summary

Objective: We initiated a survey on the occurrence and frequency of symptoms suspicious of malignant hyperthermia (MH) in the intensive care unit (ICU) as there seems to be an increase in inhalational sedation techniques using volatile anaesthetics.

Methods: Between February and March 2018, 768 departmental heads of anaesthesiology and intensive care were asked to complete an online questionnaire. This questionnaire was developed in cooperation with the German Society of Anaesthesiology and Intensive Care Medicine and consisted of 11 questions about potential MH symptoms occurring when using volatile sedation.

Results: The total response rate was 17.3% and 69 questionnaires of users of volatile sedation were analysed. Five cases suggested that MH was triggered by this method. All potential MH symptoms were described, among which hypercapnia was reported most frequently. In addition, the results suggested that not all colleagues were familiar with the association between MH and use of volatile sedation, especially if they represented non-anaesthetic disciplines. 

Conclusion: It was demonstrated that the use of volatile anaesthetics in the ICU is accompanied with a relevant number of symptoms suspicious of MH. A certain lack of knowledge about symptoms, causes and outcomes of MH under ICU conditions may be assumed. An increased use of volatile sedation in the ICU calls for an intensive information and education programme focussing on this serious side effect.

Deutsch

10/2019