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Zertifizierte Fortbildung | Continuing Medical Education (CME)
O. Boehm

Morbidität und Sterblichkeit in der Anästhesiologie. Patientensicherheit als Kernkompetenz des Anästhesisten

Schlüsselwörter Anästhesieassoziierte Sterblichkeit – perioperative Sterblichkeit – Failure-to-Rescue – Perioperatives Komplika­tionsmanagement – Präoperative Risikoevaluation
Keywords Anaesthesia-related Mortality – Perioperative Mortality – Failure-to-Rescue – In-house Complication Management – Preoperative Risk Evaluation
Zusammenfassung

Die sehr niedrige anästhesieassoziierte Sterblichkeit von 0,00073 – 0,00082% in den Industrienationen ist das Ergebnis der Fokussierung des Fachgebietes auf die intraoperative Patientensicherheit.

Die kontinuierliche Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten, die in Form von besser steuerbaren Pharmaka sowie technischen Innovationen in der apparativen Überwachung und Beatmung systematisch in den klinischen Alltag implementiert worden sind, hat die intraoperativen Gefahren durch die Narkose erheblich reduziert. Diesem Trend steht allerdings eine immer noch hohe perioperative Gesamtsterblichkeit von 0,4 – 0,8% gegenüber, die möglicherweise eine hohe Zahl von vermeidbaren Todesfällen beinhaltet. Hier kann die Anästhesiologie einen wertvollen Beitrag zur Steigerung der perioperativen Patientensicherheit leisten, indem sie ihre Kompetenzen in Bereichen der Patientenversorgung ausbaut, die sich außerhalb des Operationssaals befinden: Hierzu zählen die Systematisierung der präoperativen Risikoabschätzung mit Erfassung von patienten- und operationsspezifischen Risiken sowie die Einführung einer perioperativen innerklinischen Notfallversorgung. Diese Strukturmaßnahmen zielen auf ein umfassendes innerklinisches Komplikationsmanagement, das sowohl die Prävention und Früherkennung als auch die gezielte und schnelle Therapie von unerwünschten Ereignissen beinhaltet und somit eine Schlüsselfunktion für ein besseres Überleben im Krankenhaus darstellt.

Summary

Anaesthesia-related mortality of 0.00073 – 0.00082% in industrial nations is very low and supposed to be the result of anaesthesiologists focussing on intraoperative patient safety. The continuous search for improvements which have been systematically implemented into clinical practice (e.g., new anaesthetics, technical innovations in monitoring and ventilators) has considerably reduced intraoperative risks associated with anaesthesia. However, this encouraging trend is countered by a high overall perioperative mortality rate of 0.4 – 0.8%, which might include a high number of potentially avoidable deaths. Thus, anaesthesiology aims to contribute to perioperative safety in specific areas of patient care outside the operating theatre: These include systematic assessment of patient- and operation-specific risks as well as the introduction of perioperative emergency care within the hospital. All these measures aim to improve in-house complication management, including prevention, early detection and targeted and rapid treatment of adverse events.

Deutsch

10/2019