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Krankenhausmanagement & -ökonomie | Management & Health Economics
H. Lier · H. Mellage · D. Reichert · G. Henneke-Minas

Perioperativer Umgang mit Glucagon-like Peptide-1-Rezeptoragonisten bei elektiven Eingriffen. Ein wissenschaftlicher Kurzbeitrag

Perioperative management of glucagon-like peptide-1-receptor agonists in cases of elective surgery. A short scientific report

Schlüsselwörter GLP-1-RA – Anästhesie – Perioperatives Management – Aspiration – Präoperative Nüchternheit
Keywords GLP-1-RA – Anaesthesia – Perioperative management – Aspiration – Gastric emptying
Zusammenfassung

Bei den Glucagon-like Peptide-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) handelt es sich um eine Substanzklasse, die 2005 als neuere Untergruppen der Antidiabetika eingeführt wurde. Der initialen Zulassung für Typ-2-Diabetes folgte das Langzeitmanagement der Gewichtsabnahme bei übergewichtigen Erwachsenen mit und ohne Diabetes.

Zunehmend werden die GLP-1-RA in anderen Indikationen und als rezeptfreie, online gekaufte „Lifestyle“-Medikamente verwendet. In der Prognose für 2025 der „TOP 10 der um­satzstärksten Medikamente“ sind vier GLP-1-RA gelistet. Aus anästhesiologischer Sicht liegt das Problem der GLP-1-RA in der deutlich verzögerten Magenentleerung, so dass trotz Einhaltung der üblichen präoperativen Nüchternheit bei einigen dieser Patient:innen Speisereste nachgewiesen werden und ein erhöhtes Risiko für eine Regurgitation von Mageninhalt und pul­monale Aspiration im Rahmen einer Allgemeinanästhesie oder einer Analgosedierung besteht.
Die aktuelle Publikation der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) empfiehlt, die wöchentlich applizierten GLP-1-RA eine Woche vor der Operation zu pau­sieren. In mehreren prospektiven Stu­dien mit elektiven Eingriffen wiesen viele der Patient:innen unter Semaglutid, Dulaglutid oder Tirzepatid auch eine Woche nach Absetzen der Medikation im Magen-Ultraschall noch feste Speisereste auf. Selbst bei Anwendung einer Rapid Sequence Induction (RSI) sind unter GLP-1-RA mehrfach Aspirationen beschrieben.
Als Vorschlag zur Aktualisierung der Empfehlung sollen alle GLP-1-RA präoperativ drei Halbwertzeiten abgesetzt werden und obligat eine RSI durchgeführt werden. Die letzten 24 Stunden vor jedem Eingriff sollen die Patient:innen nur klare Flüssigkeiten zu sich nehmen.
Auch wenn das Problem der deutlich verzögerten Magenentleerung wahrscheinlich nur bei einem Teil der Nutzer:innen von GLP-1-RA besteht, ist es bisher nicht möglich, diese Risikogruppe präoperativ sicher zu identifizieren. Aktualisierte Vorgaben wären hilfreich.

Summary

In 2005 glucagon-like peptide-1 re­cep­tor agonists (GLP-1RA) were intro­duced as a new subclass of antidiabetics. Initially approved for treatment of type-2-diabetes, the authorisation was extended to weight loss in obese pa­tients.

GLP-1-RA are increasingly used for different indications and as an online-bought “life-style-drug”. The Top 10 product forecasts for 2025 entails 4 GLP-1-RA.
From an anaesthesiologic perspective, the problem is, despite mandatory pre­operative fasting, some patients will have delayed gastric emptying and an increased risk for regurgitation and aspiration.
Current guidelines of the German So­ciety of Anaesthesiology recommend holding a week before surgery for weekly formulations. Yet, for patients on semaglutide, dulaglutide or tirzepatide and, despite adherence to fasting guide­lines, multiple prospective trials using point-of-care gastric ultrasound showed increased residual solid and fluid gastric content after > 1 week. Additionally, despite use of a rapid sequence intubation (RSI), multiple cases of aspiration were published.
A suggestion for a new recommendation might be the preoperative cessation for 3 half-times for all GLP-1-RA, a mandatory RSI and use of a liquid diet for at least 24 h before the procedure.
Even if the risk of residual gastric content might not be apparent in all patients, a definite preoperative identification of these patients is not possible. Updated guidelines might be helpful.

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