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Hintergrund: Ende März 2020 hat die Landesregierung NRW mit der Vorstufe des Virtuellen Krankenhauses (VKH) als Teil ihrer COVID-19-Pandemiestrategie eine deutschlandweit einzigartige Versorgungsstruktur geschaffen, um alle Intensivbetten des Landes mit der Behandlungsexpertise eines Maximalversorgers auszustatten.
Fragestellung: Evaluation von Machbarkeit und Patientennutzen des digitalen Versorgungsnetzwerks VKH COVID-19.
Methodik: Das VKH COVID-19 bietet landesweit 24 / 7 / 365 tele-intensivmedizinische Konsile mittels Audio-Video-Verbindung durch Expertenzentren bei intensivpflichtiger COVID-19-Erkrankung an. Die Konsilanfrage erfolgt über eine webbasierte Plattform. Der datenschutzkonforme Austausch erfolgt über eine elektronische Fallakte.
Ergebnisse: Insgesamt schlossen sich 93 Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung dem digitalen Versorgungsnetzwerk VKH COVID-19 an. Insgesamt wurden im betreffenden Zeitraum (30.03.2020 bis 09.11.2020) 112 intensivpflichtige COVID-19-Patienten mit 790 tele-intensivmedizinischen  Konsilen (im Mittel 7 pro Patient (SD ± 9,6)) durch den Expertenstandort Uniklinik RWTH Aachen versorgt. Die lungenprotektive Beatmung (68,1 %, bei 538 / 790 Konsilen), die Negativbilanzierung (63,9 %, bei 505 / 790 Konsilen) und die Lagerungstherapie (46,4 % bei 52 / 112 Patienten) gehörten zu den häufigsten Therapieempfehlungen. Die Verlegungsrate zum Maximalversorger betrug 8 %. Die Letalitätsrate intensivpflichtiger COVID-19-Patienten mit teleintensivmedizinischem Konsil lag bei 22,3 %. Im Kollektiv der beatmeten Patienten war die Letalitätsrate 34,2 %.
Schlussfolgerungen: Den Herausforderungen der COVID-19-Pandemie konnte durch die Etablierung des intensivmedizinischen digitalen Versorgungsnetzwerks VKH COVID-19 kompetent begegnet werden. Der Zugang zu einem Maximalversorger ist durch tele-intensivmedizinische Expertenkonsile in NRW zeit- und ortsunabhängig sichergestellt.

Etwa ein Drittel der akuten zerebralen Ischämien wird durch den Verschluss einer größeren hirnversorgenden Arterie verursacht. In solchen Fällen kann die umgehende Entfernung des Gerinnsels die Symptome des Patienten rückgängig machen. Für diese neuroradiologische Notfallprozedur, die endovaskuläre Thrombektomie, wird kathetergestütztes Instrumentarium in das verschlossene Gefäß geführt und der Embolus entfernt, damit das stromabwärts liegende Hirngewebe wieder durchblutet und somit vor der Nekrose bewahrt wird. Um die Katheter im Gefäßsystem sicher und effektiv zu steuern, ist die Immobilität des Patienten sehr hilfreich. Allerdings sind viele Schlaganfallpatienten in der Akutsituation motorisch unruhig und im Falle einer sensorischen Aphasie auch verbaler Beruhigung unzugänglich. Der Anästhesist ist gefragt, nicht nur gute Arbeitsbedingungen für den Neuroradiologen zu schaffen, sondern auch die physiologischen Bedingungen für das gefährdete Hirngewebe bis zur Reperfusion zu optimieren. Noch wird untersucht und diskutiert, ob dies besser unter Sedierung mit erhaltener Spontanatmung oder unter Narkose gelingt. Während retrospektive Analysen hier die Sedierung im Vorteil sehen, sprechen die bisher verfügbaren randomisierten Studien eher für die Narkose – eine strikte Aufrechterhaltung des Perfusionsdrucks vorausgesetzt. Die vorliegende Übersicht behandelt die Rahmenbedingungen, den Ablauf und das anästhesiologische Management zur endovaskulären Thrombektomie vor dem Hintergrund der Studienlage.

10/2021