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Hintergrund: Nichtopioidanalgetika werden bei vielen Patienten zur perioperativen Analgesie eingesetzt. Zu einigen praktischen Fragen beim Einsatz von Nichtopioidanalgetika liegen z. T. nur wenig Informationen aus Studien vor, und in Krankenhäusern existieren häufig keine Konzepte zum Vorgehen, z. B. zur Patientenaufklärung und zum Zeitpunkt der perioperativen Gabe.
Methodik: Eine Expertengruppe der beteiligten Fachgesellschaften hat konsensbasierte Empfehlungen zum perioperativen Einsatz und in einem strukturierten formalen Konsensusprozess verabschiedet.
Ergebnisse: Die Arbeitsgruppe stimmt überein, dass Nichtopioidanalgetika Bestandteil eines perioperativen multimodalen Analgesiekonzepts sein sollen und Patienten präoperativ über Nutzen, Risiken und alternative Behandlungsmöglichkeiten aufgeklärt werden sollen. Die präoperative Patienteninformation und -edukation soll auch eine Schmerz- und Analgetikaanamnese umfassen und Patienten mit Risikofaktoren für starke Schmerzen und eine Schmerzchronifizierung sollen identifiziert werden. Unter Berücksichtigung von Kontraindikationen können Nichtopioidanalgetika abhängig von der Operationsdauer auch schon prä- oder intraoperativ gegeben werden, um nach Beendigung der Anästhesie ausreichende Plasmakonzentrationen zu erzielen. Nichtopioidanalgetika oder Kombinationen von (Nichtopioid-)Analgetika sollen nur für einen begrenzten Zeitraum gegeben werden. Ein gemeinsam erarbeiteter abteilungsübergreifender Behandlungsstandard mit dem Nichtopioidanalgetikum erster Wahl, weiteren Therapieoptionen sowie ad- äquaten Dosierungen, ergänzt durch eingriffsspezifische Konzepte, soll schriftlich hinterlegt werden. Bei Entlassung aus dem Krankenhaus soll der nachbehandelnde Arzt zu perioperativ gegebenen und aktuell noch eingenommenen Analgetika schriftliche Informationen erhalten. Patienten sollen zu möglichen Nebenwirkungen der Analgetika und ihrer Symptome, die auch nach Krankenhausentlassung auftreten können, und die befristete Einnahmedauer informiert werden.
Schlussfolgerung: Die Anwendung von Nichtopioidanalgetika soll als Bestandteil eines perioperativen multimodalen Analgesiekonzepts mit klaren Vorgaben zu Indikationen, Kontraindikationen, Dosierungen und Behandlungsdauer in einem abteilungsübergreifenden Behandlungsstandard schriftlich hinterlegt werden.

Online First
M. Hiller, K. Spohn, R. Hering, A. Hohn, A. Lahm, S. Bergrath, J. K. Schütte, S. Aymaz, S. Cremer, M. Milde, M. Münch, J. Bakker, S. Schröder

Ausgangspunkt und Fragestellung:
Ziel der vorliegenden Arbeit war es, Strukturen und neue Formen der Zusammenarbeit zu identifizieren, die sich während der COVID-19-Pandemie etabliert haben und die durch eine mögliche Fortführung einen Mehrwert für den klinischen Alltag auch außerhalb von Pandemiesituationen bieten könnten.
Methodik:
In einem dreistufigen Befragungsprozess mit 22 Experten (leitende ärztliche Mitarbeiter, Krankenhaushygieniker, Pflegedienstleitung und Vertreter des Krankenhausmanagements) aus 6 kommunalen Krankenhäusern einer COVID-19-Hotspot-Region wurden Maßnahmen aus den Bereichen Intensivkapazitätsmanagement, Patientenflussmanagement sowie Informations- und Datenflussmanagement identifiziert und mittels einer Likert-Skala bewertet. Anschließend wurden an einem Runden Tisch die Ergebnisse strukturiert.
Ergebnisse:
Über drei Bewertungsrunden mit hoher Beteiligung (82–91%) wurden die 43 initial formulierten Maßnahmen auf 14 mit der höchsten Zustimmung reduziert. Am Runden Tisch wurden 10 der 14 relevantesten Maßnahmen drei Aktionsfeldern zugeordnet: 1) Interdisziplinäre Patientenflusssteuerung, 2) Flexible Personalkonzepte und 3) Etablierung neuer Kommunikations- und Informationsstrukturen. Zu den jeweiligen Aktionsfeldern wurden Praxisbeispiele formuliert, die sich bereits im klinischen Alltag bewährt haben.
Schlussfolgerungen:
Durch den strukturierten Entscheidungsprozess in dieser Arbeit mit einer holistischen Betrachtung der Organisationsform Krankenhaus konnten Strategien identifiziert werden, die sich unter Extrembedingungen bewährt haben und über die Pandemie-Situation hinaus in den klinischen Alltag implementiert werden sollten. Eine fortwährende engere interdisziplinäre und intersektorale Kooperation kann auch das Patientenfluss- und Ressourcenmanagement sowie die Kommunikationskultur in einem „neuen klinischen Alltag“ positiv beeinflussen.
Die formulierten Praxisbeispiele und Empfehlungen in den jeweiligen Aktionsfeldern sollen für andere Ge-sundheitsversorger Anregung sein, ihre Personalkonzepte, Kommunikationsstrategien sowie ihr Kapazitäts- und Patientenpfadmanagement kritisch zu hinterfragen und mit interdisziplinären und intersektoralen Ansätzen an die Herausforderungen eines neuen klinischen Alltags anzupassen.

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Online First
J. Schüttler, J.M. Mang, L.A. Kapsner, S.A. Seuchter, H. Binder, D. Zöller, O. Kohlbacher, M. Boeker, K. Zacharowski, G. Rohde, J. Balig, M.O. Kampf, R. Röhrig, H.-U. Prokosch

Hintergrund: In der Anfangsphase der COVID-19-Pandemie konnte in Deutschland zwar eine niedrigere Inzidenz- und Letalitätsrate im Vergleich zu seinen Nachbarländern beobachtet werden, allerdings zeigten Studien zum Teil vergleichsweise hohe Letalitätsraten bei beatmeten COVID-19-Patienten.
Methode: Im Rahmen dieser retrospektiven Analyse werden Krankenhausaufenthalte von COVID-19-Patienten aus 14 deutschen Universitätsklinika betrachtet. Dazu wurden Datenintegrationszentren der Medi-zininformatik-Initiative (MII) in einer föderierten Analysestrategie genutzt, um die Letalitätsraten in verschiedenen Subgruppen abhängig von Beatmungsstatus, Geschlecht, Lebensalter, Aufenthalts-dauer auf der Intensivstation in Kombination mit verschiedenen Komorbiditäten darzustellen.
Ergebnisse: Die Gesamtsterblichkeit bei 1.318 COVID-19-Patienten betrug 18,8 %. Bei beatmeten Fällen lag die Sterblichkeit bei 38,8 %. Männliche Patienten waren dabei mit 63,4 % im Gesamtkollektiv und mit 74,9 % bei beatmeten Patienten deutlich überrepräsentiert. Häufige Komorbiditäten waren Niereninsuffizienz (35,2 %), aplastische und sonstige Anämien (26,0 %) und Diabetes mellitus (21,1 %). Die mitt-lere Verweildauer betrug 18 Tage bzw. 28 Tage bei beatmeten Patienten. Die Letalität reduzierte sich im Verlauf der Beobachtungen von 20,7 % auf 12,7 %.
Schlussfolgerung: Die beobachteten rückläufigen Letalitätsraten können ein Beleg für eine kontinuierliche Optimierung der COVID-19-Behandlung sein sowie zunehmende Erfahrung und verbesserte Therapieempfehlungen reflektieren. Die bisher erzielten Fortschritte der MII ermöglichen quasi „zum richtigen Zeitpunkt“ Konsortien-übergreifende Analysen, um den Herausforderungen der COVID-19-Pandemie besser zu begegnen.

Online First
A. Seibel, S. Weber, W. Heinz, M. Göpfert, K. Pracht, R. Heinen, C.-A. Greim

Eine Infektion mit dem neuen Coronavirus-2 betrifft in den meisten Fällen die Lunge, hat jedoch auch das Potenzial, andere Organsysteme wie das Herz, den Darm und vor allem das Gefäßsystem in Mitleidenschaft zu ziehen.
Im Rahmen der Diagnostik ist die Computertomographie die Bildgebung der Wahl, obwohl diese Methode einen hygienisch problematischen Transport zur Untersuchung erfordert, keine Informationen zu infektionsbedingten Funktionseinschränkungen der betroffenen Organsysteme liefert, und zudem bislang nur eingeschränkte Erfahrungen in der Diagnostik der infizierten Lunge vorhanden sind.
Das Konzept der fokussierten symptomorientierten Multi-Organ-Sonographie beschreibt eine bettseitige und ubiquitär verfügbare Bildgebung, die in allen Bereichen der Akutmedizin anwendbar ist.
Die vorliegende Arbeit liefert eine Übersicht über die organübergreifenden Möglichkeiten der sonographischen Bildgebung für die Diagnostik und Therapieoptimierung bei Patienten, die aufgrund einer Coronavirusinfektion stationär behandelt werden müssen.

Online First
P. Kassenbrock, K. Zickbauer, K. Schunk, S.G. Sakka

Die klinischen Symptome und pulmonalen Veränderungen infolge einer Infektion mit SARS-CoV-2 sind vielfältiger Natur. Neben den mutmaßlich klassischen klinischen Zeichen wie Fieber, trockener Husten und den radiologischen Veränderungen können allerdings eine Reihe anderer Symptome und Konstellationen bestehen. Wir beschreiben einen 48 Jahre alten, männlichen Patienten, der unter Verdacht auf eine SARS-CoV-2-Infektion stationär aufgenommen wurde und im Rahmen der intensivmedizinischen Behandlung innerhalb weniger Stunden ein progredientes Organversagen entwickelte. Unter der Diagnose eines septischen Schocks erfolgte eine weitergehende Diagnostik, die einen rechtsseitigen Lungenabszess erbrachte. Der am Abend COVID-19-negativ bestätigte Patient wurde wenige Stunden nach seiner Aufnahme nach extern zur thoraxchirurgischen Versorgung verlegt. Er verstarb unter den intensivmedizinischen Maßnahmen 49 Stunden später im therapierefraktären septischen Multiorganversagen. Der Fall unterstreicht unabhängig der aktuellen Coronavirus-Pandemie die Notwendigkeit der sorgfältigen differentialdiagnostischen Abklärung einer pulmonalen Affektion und die Berücksichtigung eines Lungenabszesses als möglichem Fokus einer Sepsis.

Etwa ein Drittel der akuten zerebralen Ischämien wird durch den Verschluss einer größeren hirnversorgenden Arterie verursacht. In solchen Fällen kann die umgehende Entfernung des Gerinnsels die Symptome des Patienten rückgängig machen. Für diese neuroradiologische Notfallprozedur, die endovaskuläre Thrombektomie, wird kathetergestütztes Instrumentarium in das verschlossene Gefäß geführt und der Embolus entfernt, damit das stromabwärts liegende Hirngewebe wieder durchblutet und somit vor der Nekrose bewahrt wird. Um die Katheter im Gefäßsystem sicher und effektiv zu steuern, ist die Immobilität des Patienten sehr hilfreich. Allerdings sind viele Schlaganfallpatienten in der Akutsituation motorisch unruhig und im Falle einer sensorischen Aphasie auch verbaler Beruhigung unzugänglich. Der Anästhesist ist gefragt, nicht nur gute Arbeitsbedingungen für den Neuroradiologen zu schaffen, sondern auch die physiologischen Bedingungen für das gefährdete Hirngewebe bis zur Reperfusion zu optimieren. Noch wird untersucht und diskutiert, ob dies besser unter Sedierung mit erhaltener Spontanatmung oder unter Narkose gelingt. Während retrospektive Analysen hier die Sedierung im Vorteil sehen, sprechen die bisher verfügbaren randomisierten Studien eher für die Narkose – eine strikte Aufrechterhaltung des Perfusionsdrucks vorausgesetzt. Die vorliegende Übersicht behandelt die Rahmenbedingungen, den Ablauf und das anästhesiologische Management zur endovaskulären Thrombektomie vor dem Hintergrund der Studienlage.

06/2021